Trinidads Wahnsinn

Aus Cienfuegos finden wir schnell heraus und erfreuen uns an der schönen Natur, einer Mischung aus sanften Hügeln, viel Wald und einigen savannenähnlichen Abschnitten auf denen Nutztiere weiden. Vor lauter Gucken, fahren wir glatt an einem versteckten Abzweiger vorbei und finden uns am Playa Rancho Luna wieder. Wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns den sehr einladenden Strand an. Es ist früher Nachmittag und fast nichts los. Ein paar wenige Menschen verteilen sich auf fast 2 Kilometer herrlichstem Strand. Leider gibt es keine Duschen, deshalb sehen wir schweren Herzens von einem Bad ab. Nach einem Spaziergang und einem kühlen Drink geht es weiter.

Die Landschaft bleibt auf der Fahrt so schön wie sie begonnen hatte. Wir cruisen in langsamer Fahrt immer auf der Hut nach Schlaglöchern gen Trinidad. Statt durch die Berge wie ursprünglich mal geplant, fahren wir im Westen an der Sierra del Escambray vorbei immer an der Küste entlang. Die Straße ist in relativ gutem Zustand und gut zu fahren. In Trinidad angekommen, haben wir auch schnell die Straße gefunden, in der die Casa liegen soll. Aber was ist das für eine Straße. Kopfsteinpflaster, aber solche Brocken, dass manche einem Kleinkind entsprechend. Das Üble daran sind aber die Absenkungen. So tief, dass darin locker ein zusammengeklappter Kinderwagen Platz fände. Am Busbahnhof werden wir angehalten. Weiterfahren geht nur noch ein kurzes Stück, dann ist die Straße gesperrt. Die Casa Colibri kennt hier niemand. Eine Hausnummer war auch nicht angegeben. Also weiter, die Absperrung weiträumig umfahren. Das Ganze in der engen Altstadt, zwischen vielen Menschen und besagte Schlaglöcher du Verwerfungen hindurch. Inzwischen aber ich zweimal bei der angegeben Tel-Nr. angerufen, bekomme aber nur einen AB dran. Die Krönung ist auch noch, dass die Casa von einer Freiburgerin geführt wird! Inzwischen haben wir einen Einheimischen an Bord, der uns durch die Straßen hilft. Aber auch ihm gelingt es nicht bei den Einheimischen eine Info zur Casa Colibri zu bekommen. Nun storniere ich telefonisch die Casa und mit unserer Begleitung suchen wir eine neue Unterkunft. Erwartungsgemäß kennt er natürlich einige. Die erste sagt uns nicht zu, bei der zweiten sagen wir dann ja. Groß, sauber und von einem Stockschwulen geführt. Aber einer von der Sorte, der am liebsten mit Federboa zum Tanzen geht. Er ist nett und hilfsbereit und wir sind nun ziemlich erledigt angekommen. Traudl müsste sich eigentlich erst einmal erholen. Sie ist heute wieder gefahren und mit den Nerven ziemlich runter. Aber unser Vermieter möchte gerne das Geld für die Unterkunft gleich. Essen könnten wir später zahlen. Also suchen wir nach seiner Beschreibung die Cadeca. Die finden wir erstaunlicherweise auch ohne Umweg. Aber dort stehen 20 Leute davor. Es ist heiß und feucht … Aber was hilft es. Traudl setzt sich in den Schatten. Es reicht wenn einer schwitzt. Ich bin ja nicht gefahren. Das Geldwechseln funktioniert wieder wie beschrieben, mit viel Bürokratie, aber es klappt. Nun setzen wir uns erst einmal in ein Internet-Cafe. Der Versuch darüber AirBnB zu erreichen, scheitert kläglich. Das amerikanische Tastatur-Layout ist noch das kleinste Problem, an Sonderzeichen wie ein @ ranzukommen, ist aber nur mit den ASCII-Codes möglich. Kennt die noch jemand von euch? Bis mir die Dame all die Zeichen genannt hat, die ich für meinen Login brauche, ist die halbe Stunde vorbei. Sie lässt mich aber großzügig länger sitzen. Aber die site von AirBNB baut sich nie vollständig auf. Per Suche mit der Maus kann ich per Anzeige links unten gerade noch das Login-Feld finden. Bei der Eingabe ist aber nichts zu erkennen. Auch die Tastatur reagiert sehr komisch. Mal funktioniert die Hochstelltaste, mal nicht, das Ganze im völligen Blindflug, weil die Eingaben nicht auf dem Bildschirm zu sehen sind. Dann versuche ich meine Mails zu checken. Die deutsche website geht einwandfrei, wenn auch grottenlangsam. Sehr seltsam das Ganze. Jetzt erstmal retour, duschen, Füße hochlegen.

Das abendliche Trinidad ist voller Leben. Am frühen Abend ziehen wir los, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Oben an der Plaza Major ist schon einiges los. Wir schlendern durch die Straßen, was relativ anstrengend auf dem holprigen Pflaster ist. Später finden wir auf einer netten Dachterrasse einen Tisch mit Aussicht auf die Plaza. Hier bleiben wir nach dem Essen noch eine Weile und trinken auch noch Mojito. Anschließend treiben wir uns noch eine Weile auf der Plaza herum. Dort gibt es wieder Wifi. Noch 10 Minuten Einlogversuche schaffe ich es reinzukommen. Bei AirBnB kann ich die Unterkunft von heute stornieren. Innerhalb von Minuten habe ich eine Mail von Paypal, dass ich gerade schon mal ein Drittel der Zimmerkosten rückerstattet bekommen habe. WOW, der Rest wird geprüft, dafür habe ich zuvor eine Begründung bei AirBnB hinterlegen können. Die wird nun bearbeitet. An die Lieben daheim ist noch eine Mail drin. Dann bricht auch schon wieder alles zusammen. Ich versuche es nochmal 10 Minuten, komme aber nicht mehr rein. Nun trollen wir uns langsam Richtung Heia.

Trinidad Tag 1
Das heutige Frühstück sieht leider besser aus, als es tatsächlich ist. Eigentlich ist alles wie sonst auch Kaffee, Milch, eine Eizubereitung nach Wunsch (Omelette, Spiegel- oder Rührei), Obst, Käsesandwich, weiches Brot, Butter und Marmelade. Satt werden wir, die Qualität ist heute aber nicht besonders.
Als ich heute morgen gegen sieben auf die Dachterrasse ging, schienen gerade die ersten Sonnenstrahlen um das Eck. Es war noch etwas kühl wurde aber rasch wärmer. Ich nutzte die Zeit, um noch den gestrigen Tag zusammenzufassen. Zum Frühstück um halb neun haben wir bereits ein Handtuch als Sonnenschutz aufgehängt, weil es zu heiß wurde. Als wir eine gute halbe Stunde später loszogen, trübe es sich verdächtig ein. Zunächst steuerten wir mal das ehemalige Convento de SanFrancisco de Asis an. Darin ist heute ein Museum, welches den Kampf Fidels gegen Konterrevolutionäre in den Bergen der Escambray dokumentiert. Am besten ist aber der Turm der Anlage. Von hier oben hat man den besten Blick über die Dächerlandschaft Trinidads. Die Innenstadt sieht von hier oben fast am besten aus. Die bunten Farben kontrastieren mit marodem Dachziegel und verfallenden Mauerstümpfen. Die komplette Altstadt und das im Nordosten angrenzende Valle de los Ingenios (Tal der Zuckermühlen) sind UNESCO-Weltkulturerbe. Die schönen Bauten Trinidads sind dem Reichtum der Zuckerbarone und der Arbeitskraft der gut eine Million Sklaven zu verdanken, die aus Afrika hierin verschifft und ausgebeutet wurden.
Nachdem es in der Ferne schon gekracht hatte und wir die Blitze in Küstenbereich zucken sahen, fallen bald die ersten dicken Tropfen und wachsen sich bald zu einem ordentlichen karibischen Regen aus. Jetzt wissen wir auch, warum die Straßen so seltsam geformt sind. Sie steigen zu den Rändern hin an und haben oft in der tieferliegenden Mitte besonders große, breite Steine. Hier rauscht nun das Wasser zu Tale. Schnell haben sich einen Meter breite Bäche gebildet. Eine ordentliche Reinigung können die Straßen schon vertragen. Der Regen zieht sich aber ordentlich hin. Wir finden in einem ehemaligen Theatersaal ganz bequeme Sitzplätze und warten auf das Ende des Regens. Anderthalb Stunden soll es dauern bis die Sintflut vorbei ist. Draußen auf den Straßen ist es nun sehr still geworden. Nirgends ist Musik zu hören, die sonst allgegenwärtig ist. Keine lautstarken Diskussionen, kein eifriges Schwatzen. Als wir wieder losziehen, kommen wir nicht so wirklich weit. Nach ein paar Metern am Museo Romantico stellen wir uns schon wieder unter. Nach kurzer Zeit gesellt sich ein alter Herr zu uns. Strohhut, kalte Zigarre, beigefarbener Feldanzug. Mit unseren paar Brocken Spanisch und den Lateinableitungen mancher Worte erfahren wir von ihm, dass er aus den Bergen gekommen ist, der Weg sechs Kilometer lang ist, er den gegangen ist und er 75 Jahre alt ist. Er staunt als er erfährt, dass wir 32 Jahre verheiratet sind. Wahrscheinlich wirken wir etwas jünger als die Leute, die erkennt. Seine Rente beträgt 270 Pesos!!! Ich habe in dem Laden, in dem wir das Wasser kauften, westlich Shampoos gesehen, die in beiden Währungen ausgezeichnet waren. Eine normalgroße Flasche davon kostete 300 Pesos!! Was haben sich die Revolutionäre eigentlich dabei gedacht, dieses schöne, fruchtbare Land in diese Situation zu manövrieren?
Als es nach einer halben Stunde mal wieder aufhört zu regnen ziehen wir weiter. Traudl darf den alten Herren noch fotografieren, dann trennen sich unsere Wege wieder. Wir streifen so durch die Straßen, schauen uns die Häuser und manche nette Innenhöfe der Restaurants an. Wir haben Lust auf eine guten Kaffee und suchen nach einer Dachterrasse. Etwas oberhalb der Plaza Mayor finden wir das Gesuchte. Es wird wieder ein etwas längerer Aufenthalt, Regen zieht durch. In dem Rhythmus geht es weiter mit Aufenthalten in der Galeria de Arte Universal und des Museo Municipal. Letzteres wegen eines Turm mit guter Aussicht ebenfalls empfehlenswert. Dann ist es vier Uhr und Traudl ist so kalt, dass wir uns gen Casa trollen. Kaum sind wir dort, reisst es für eine gute halbe Stunde auf und es sieht aus als wäre nichts gewesen. Aber um fünf Uhr rollen schon wieder dunkle Wolken über die südliche karibische See. Mal sehen wie lange es trocken bleibt.
Von größeren Schauern blieben wir verschont. Trockenen Fusses konnten wir zum Essen, noch etwas herumstreifen und Mojito und Canchanchara süffeln. Am meisten war an der Plaza Major los, deshalb war es auch aussichtslos ins Internet zu kommen. Mal sehen wie das Wetter morgen wird.

Trinidad Tag 2
Der Tag begann eigentlich wenig vielversprechend. Es hatte nachts immer wieder geregnet, der Himmel war komplett bedeckt und es war vergleichsweise kühl. Hoffung machte aber, dass die Bewölkung viel höher lag (mein Fliegerblick taxierte das wohlwollend 😉 ) und im Gegensatz zu den vergangenen Tagen die topes des Collantes frei lagen. Also haben wir unsere sieben Zwetschgen gepackt und das Auto aus dem nahegelegenen Hinterhof geholt und uns auf den Weg zum Valles los Ingenios gemacht. Schon nach einer Viertelstunde tauchte linker Hand ein Schild Mirador irgendwas auf. Mirador klingt gut, also gleich mal abgebogen. Und tatsächlich bot sich von hier ein prächtiger Blick über das Tal der Zuckermühlen. Die Situation ist gut vergleichbar mit dem Ballcon des Valle in Vinales. Ab und an kam brach sich die Sonne auch schon Bahn durch die lockerer werdende Wolkendecke. Die Fahrt ging weiter ins Tal hinab und nach Osten. Vielleicht wieder eine Viertelstunde später tauchte links der Torre Iznaga auf. Hier hat sich längst auch die übliche Kehrseite des Tourismus aufgebaut. Die 200 m links und rechts zum Turm wird man von Tuchverkäuferinnen belagert. Hat man sich erfolgreich durchgekämpft, zahlt man einen CUC und darf den 44m hohen nach allen Seiten offenen Turm besteigen. Einigermaßen schwindelfrei sollte man dafür sein. Dafür ist die Aussicht zu allen Seiten großartig.
Inzwischen ist die Sonne doch recht mächtig am Werk, weshalb ich an ruhiger Stelle die lange Hose gegen eine kurze und Turnschuhe gegen Sandalen tausche. Wir bleiben jetzt auf der kleinen Straße in die wir zum Torre hin abgebogen waren und orientieren uns nach Norden in die Berge hinein. Es wird eine unglaublich schöne und erlebnisreiche Fahrt. Es ist unfassbar wie viele Variationen von grün es gibt. Die Landschaft wechselt von den ersten sanften Hügeln zu immer steileren Bergstraßen, auf denen manches mal Bedenken aufkommen, ob unser Peugeot hier noch raufkommt. Auch die Straßen selbst sind seehr abwechslungsreich. Das hätten sie nicht unbedingt sein müssen. Aber wir erleben einfach alles. Schlaglöcher so tief, dass man einen Bobbycar darin versenken könnte, hunderte von Metern komplett aus grobem Schotter, halb weggespülte Brücken, halb abgebrochene Fahrbahnen, bis auf die Fahrzeugbreite zugewachsene Fahrbahnen und so fort. Größere Abschnitte bewältigen wir nur mit einem Durchschnitt von unter 20 Km/h. Wir durchfahren etliche kleine Dörfer, passieren schmucke kleine Bauernhäuser, erleben straßenquerende Schweine- und Perlhuhnfamilien, beobachten Transporte von Pflanzen und anderen schweren Dingen per Pferdekarawanen und natürlich das allgegenwärtige Transportmittel Pferd und Pferdekarren. Überhaupt begegnen uns auf Kuba in den ländlichen Gebieten oft mehr Pferde als mechanisierte Transportmittel.
Völlig verblüfft sind wir, als wir an der einsamen Straße plötzlich einen kleinen bewirtschafteten Rastpunkt vorfinden. Fast wären wir daran vorbeigefahren. Wir machen auf einem Kaffee Halt und sind die einzigen Gäste. Von hier hat man einen super Blick auf den Embalse Habanilla, einen schon Anfang der 70iger Jahre angelegten Stausee. Man kann noch gut den Verlauf des Flusses, der hier aufgestaut wurde erkennen, so schön mäandriert das Wasser zwischen den steil aufragenden, grünen Berghängen hindurch.
Kurz danach passieren wir den Park Topes des Collantes und einige Kilometer danach wir die Straße spürbar besser. Von dieser Seite werden die Touristen per Reisebus hinaufgekarrt. Einigen begegnen wir noch als wir an einem Aussichtspunkt am Rande der Sierra Escambray mit Ausblick über Trinidad und das Meer Halt machen. Wir genießen den Ausblick in Ruhe, während drei Reisebusladungen sich zum Teil die Stufen hinaufschleppen und wieder weiterfahren. Auch wir müssen uns irgendwann losreissen und die letzten Kilometer absolvieren. Wir parken unseren braven Peugeot wieder an bekannter Stelle und Marschieren die paar Meter zur Casa.
Nun sitze ich hier auf der Dachterrasse, schreibe dies schnell runter und genieße ein phantastisches Farbspiel der Wolken durch die gerade untergehende Sonne.

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Ein Kommentar zu „Trinidads Wahnsinn

  1. Hallo, freut mich wieder etwas von euch zu hören. Nachdem ich heute früh das Handy eingeschalten habe, kamen alle eure Nachrichten auf einmal an. Nach dem Frühstück haben wir mit Begeisterung eure Berichte gelesen und dabei Tränen gelacht. Wir haben soviel wieder erkannt und waren mittendrin dabei. Diese Autos, die Pferdefuhrwerke, die Straßen ,die alten Überseeterminals,oder das Kopfsteinpflaster von Trinidad. Trotz guter Schuhe,musste man immer stehen bleiben um die Umgebung wahrzunehmen. Beim gehen musste man unbedingt auf den Boden schauen. Herrlich. Wünschen euch weiterhin viel Spaß und alles Gute

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