Nyaung Shwe

Kurz vor sechs Uhr sind wir ohne Wecker, die wir auf sechs Uhr gestellt hatten, wach geworden. Heute geht es per Flieger nach Heho und das Taxi soll uns um 7 Uhr dort hinfahren. Noch genug Zeit, um die noch im Gebrauch befindlichen Dinge in den Koffer zu legen, zu frühstücken und die Rechnung zu begleichen. Bei Letzterem gab es den ersten kleinen Aufreger. Die kleinen E-Scooter, die wir am zweiten Tag statt der Fahrräder benutzt hatten, wurden uns mit einem Tagessatz in Rechnung gestellt. Ich habe mich geweigert die Rechnung zu zahlen. Es war allerdings etwas schwierig dem radebrechenden Personal zu erklären, dass ich gestern extra nachfragte, ob der Tausch Mountainbike gegen Scooter ok sei. Schließlich hieß es gestern ja noch, dass die Mountainbikes sogar teurer sind als der Scooter. Mir fiel das zwar schwer zu glauben, aber die Scooter sind tatsächlich billige Chinaproduktionen in einfachster Verarbeitung, vielleicht stimmte der Preis sogar. Jedenfalls erklärte sie mir nun, dass ich die Räder ja bei der Agentur bezahlt hätte und nicht bei Ihnen. Darauf entgegnete ich, dass das schon richtig sei. Aber da die Räder und die E-Scooter ja dem Hotel gehören und das Hotel ja über die Agentur auch das Geld für die Mountainbikes erhalten hat, würden sie ja nun Geld für 2 Tage Mountainbikes und einen Tag E-Scooter bekommen. Und Sie möge doch bitte Verständnis dafür haben, dass ich für diese Art des Rechnens kein Verständnis habe. Die Argumentation machte sie nachdenklich und sie versprach es mit der Agentur zu klären. Ok, dachte ich, immer Gesicht wahren. Dann klär du mal, während wir jetzt frühstücken
Wir gingen also zum Frühstück und waren neben einem anderen Pärchen die bislang einzigen Besucher. Dann wurde es plötzlich lebhaft. Soviel Betrieb hatten wir hier noch nie gesehen. Eine Gruppe Chinesen war gestern Abend angekommen und ruckzuck war jeder Tisch besetzt. Die gestern noch eifrig um uns herumwuselnden Mädel waren auf einmal merkwürdig passiv. Mir hatten sie noch kurz zuvor den Tee aus der Hand genommen, um ihn an den Tisch zu tragen (wehe, es sagt jetzt irgendjemand was übers Alter oder Sonstiges!). Entweder sind sie mit full house überfordert oder sie mögen chinese people nicht so sehr.
Nachdem es schon 7 Uhr durch war, wunderte ich mich langsam, wo das Taxi blieb. Die sind hier sonst superpünktlich. Ich fragte eines der herumstehenden Mädel, ob sie wegen unseres Taxis mal nachfragen könne. Das tat sie auch sofort, gleichermaßen heftig nickend wie lächelnd. Sekunden später war sie schon wieder da und winkte uns nach draußen. Dort stand der dicke Toyota Geländewagen, der die Tage immer 10 m abseits geparkt war. Ob das nun der Taxi-Ersatz, das ursprünglich gedachte Taxi oder was auch immer war, forschte ich nicht mehr nach. Die 20 Minuten Fahrt zum Airport kosteten knappe 5 Euro, das war ok. Wollen ja nicht kleinlich sein.

Der große Aufreger kam jetzt. Das hier ist ein ganz kleiner Airport. Man betritt die Halle und steht direkt vor Holztresen der drei hier operierenden Fluglinien. Wir werden sofort nach Tickets gefragt. Tickets haben wir keine, man hatte uns ja gesagt wir hätten elektronische Tickets. Mich wunderte schon, dass es am Tresen keinen Monitor gab. Ich schaute hinter den Tresen – auch kein PC da.  Ok – also der Dame unsere Pässe geben, wie bei E-Tickets üblich und das Beste gehofft. Ich spizelte wieder über den Tresen und sah, dass sie eine teilweise gedruckte und händisch ergänzte Liste nach unseren Namen absuchte! Sie fand nix, jetzt suchte ich mit ihr zusammen. Nix. Mir wurde schon etwas mulmig. Da schnappte sie sich das Handy ihres Kollegen und versprach die Angelegenheit per Internet zu checken. Nach viel rumgetippe und auch noch telefonieren schließlich die ernüchternde Auskunft – von uns weiß man nichts. Also versuchte ich nun die Agentur zu erreichen. In China hatte das ja sogar spätnachts funktioniert. Die Nummer rausgesucht, gewählt und aus dem Hörer schallte es hämisch:“We are sorry. The number you have dialed is power off“. Ich glaube es ja nicht und nun? Zeit bleibt keine. Nach Auskunft der Dame am Tresen ist der Flug heute der einzige nach Heho. Also blieb nur noch 202 Dollar für uns beide zu berappen und dafür Tickets zu bekommen, natürlich in cash! Mit dickem Filzstift wurden zwei Tickets für uns ausgefüllt und wir bekamen einen der vielen verschiedenen Aufkleber an die Brust gebappt, die auf großen Bögen hier am Tresen liegen. Dann übertrug der Herr noch sorgfältig unsere Namen in die gleiche Liste (meine ich jedenfalls), die die Dame zuvor schon geprüft hatte. Inzwischen hatte ich den Verdacht, dass es hier gar keine echten E-Tickets gibt bzw. hier nicht damit gearbeitet wird. Wie soll das ohne Computer auch gehen. Außerdem hatten wir während der bisherigen Tage gesehen, dass das Internet extrem langsam ist, wenn es denn überhaupt funktioniert. Wie sollen die dann auf die Weise abfertigen. Auf unseren Tickets ist auch keine Platznummer eingetragen. Hier gibt es free sitting wurde uns erklärt. Dann wurden wir zum Warteraum begleitet, der schon ziemlich voll war. Zuvor gabe es aber noch eine Kontrolle (endlich, bisher war nix, hatte schon gewundert) durch einen Immigration-Officer. Der interessiert sich aber nur für die Pässe und das Visum. Uniformmäßig gehörte der bestimmt zum Militär. In der Wartehalle angekommen, erschallte nach kurzer Zeit eine quäckende und weitgehend unverständliche Durchsage. Obwohl es Englisch war, verstand ich das meiste einfach nicht. Die Aussprache ist einfach zu verquer. Aus dem Wartesaal führten mehrere große Türen nach draußen. Dort wurde anhand der Aufkleber rasch selektiert, ob die aufgrund der Ansage anstürmenden Fluggäste überhaupt zum aufgerufenen Flug gehörten. Als es für uns soweit war, bestiegen wir den davor wartenden Bus und fuhren sage und schreibe 30 m zu unserem Flieger. Wahrscheinlich nur, weil die Verbindung zwischen dem Vorfeld und der Halle nicht befestigt war und sich dort eine dicke schlammige Pfütze breit gemacht hatte.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

In der ATR 72 saßen wir dann sehr bequem. Der Vogel war mit guter Beinfreiheit bestuhlt und wirkte noch relativ frisch. Außerdem war er sehr sauber, man wird ja auch mit dem Bus vorgefahren! Nach nur 45 Minuten Flug kamen wir in Heho an. Hier ging es vom Flieger direkt in die Ankunftshalle. Kurze Zeit später war auch das Gepäck da, das von einem händisch vom Flieger zur Halle gezogenem Wagerl herunter genommen und direkt in die Halle gestellt wurde. Dort nahm sich jeder was er brauchte. Ich hatte schon eine sehr kleine Burmesin erspäht und begrüßt, die mit einem Schildchen in der Hand auf uns wartete. Schnell waren wir im Auto und los ging es. Im Auto war neben dem Fahrer wieder ein anderer Guide, der uns morgen wohl begleiten wird. Wir erzählten ihm was uns widerfahren war. Sofort ließ er den Fahrer halten und checkte mit mir alle Papiere, die wir vor der Abreise erhielten und die uns Kay in Mandalay aushändigte. Er fand auch keine Tickets, nur die Hinweise auf die E-Tickets. Er schaffte es dann mit der Agentur in Verbindung zu treten. Ich muß mir morgen die Telefonnummer geben lassen, falls es eine andere ist, die wir haben. Letztlich konnte ich dann mit der Dame im Office selbst reden. Was sich wegen der Aussprache wieder als extrem schwierig herausstellte (Min Min unser Guide bspw. sagte ‚schirren’ wenn er ‚children’ meinte) auf jeden Fall versprach uns die Dame, dass sie es arrangieren würde, dass wir in Yangon unser Geld zurück bekämen. Da bin ich mal gespannt. In Nyaung Shwe angekommen regnete es kräftig. Vor der kleinen Bergkette, die wir überqueren mußten, war es noch leichter Regen gewesen. Hier ist es auch deutlich kühler als in Bagan. Am Airport waren es 22 Grad gewesen. Min Min erklärt uns, dass wir ca. 1300 Meter hoch sind, daher die „Kühle“. Wir finden es momentan ganz angenehm, nur zu regnen sollte es noch aufhören. Das Zimmer ist sehr schön und hell, Traudl ist gleich ganz begeistert. Nicht so eine dunkle Höhle, wie in Bagan. Sie lieben es hier anscheinend mit Natursteinen zu dekorieren. Offenbar sind die Betonständer, die das Haus tragen mit runden Kieseln verkleidet. Draußen sehen wir einige Häuser, die ähnliche Balkonverkleidungen haben. An den Wänden sind runde und dreieckige Elemente mit Quarzsteinen ausgefüllt. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und da wir den Rest des Tages für uns haben, werden wir nun mal den Ort erkunden.

Als besonders idyllisch kann ich den beim besten Willen nicht bezeichnen. Ein größerer Teil der Straßen ist zwar befestigt, das gilt aber nicht für die Seitenstreifen. Bei dem feuchten Wetter ist alles entsprechend matschig und der Dreck, der trocken gerade noch geht, wirkte nun restlos abstoßend. Dazu alle möglichen Gerüche, die die Nase malträtierten. Zumindest unsere europäisch geeichten, den einheimischen Nasen schien das nichts auszumachen. Wir mussten unbedingt etwas trinken und setzten uns nach einigem Gesuche in ein etwas größeres, gut besuchtes Lokal.

Jede Menge seltsam anmutende Gestalten hängen hier rum, trinken (in der Regel keinen Alkohol!), rauchten und schauten mehr oder weniger lustvoll eine Neuverfilmung von Conan der Barbar an, die auf zwei großen screens lautstark läuft. Auffallend ist der Chef oder Capo, der etwa überhöht, direkt neben uns saß. Dort lieferten alle dienstbaren Geister, die herumschwirrten, die Kohle ab und es gb bei ihm Zigaretten und Zigarillos/Zigarren einzeln zu kaufen. Am nördlichen Ende der Stadt wurde es etwas angenehmer. Hier stehen schöne, große Bäume und ein breiter, relativ sauberer Kanal reicht bis an die Stadtgrenze. Wir gingen ein Stück an ihm entlang, als uns ein Mann mit einer Art Armbrust auffiel. Offenbar ein selbstgebautes Gerät zum Fische schiessen. Ja, richtig gelesen, wir haben gesehen, wie er es erfolglos versuchte. Der Pfeil aus Metall war verbunden mit einer Angelschnur, die wiederum auf einer Angelrolle aufgespult war. Heiße Konstruktion, aber sie funktionierte.

Anschließend stromerten wir noch über den Markt. Einige Dinge waren ganz interessant, z. B. Kokosnüsse die ein Schwänzchen aus einem Blatt bekommen oder ein Garnelen-Snack, der offenbar zuvor mit Kräutern gekocht und dann zu Scheiben eingetrocknet wird. Insgesamt war der Markt aber auch nicht viel appetitlicher als der Rest der Straßen und wir trollten uns zurück zum Hotel. Im Zentrum hatten wir auch keine einladenden Restaurants gesehen, weshalb wir bei uns fragten, ob es dort was zu essen gäbe. Leider nein, hieß es, aber gleich die Straße nach links stadtauswärts gäbe es drei saubere Lokale. Da sind wir noch nicht gewesen. Eines davon, Mr. Cook hatte eine offene Küche, man konnte den drei Frau drinnen bei der Arbeit zusehen. Sah nicht nur gut aus, hat auch sehr gut geschmeckt.

Mal sehen, ob der nächste Tag genauso gut wird.
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Ein Kommentar zu „Nyaung Shwe

  1. Oooh hooo, wer eine Reise tut, kann was erzählen :-). Übrigens hatte Werner auch mal Pfeil und Bogen, wo der Pfeil mit einem Nylonseil auf einer Spule am Bogen befestigt war. Hätte man auch fischen können.

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