Fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn

– ja schön wäre es gewesen!! Heute bin ich ziemlich erledigt und will nur noch was essen und dann ab in’s Bett.
Der Tag hatte ganz harmlos angefangen. Um 09.00 Uhr brechen wir in San Cristobal auf, finden auf Anhieb die richtige Straße in die Berge und dort auch noch eine Tankstelle am Ortsrand. Auf gut ausgebauter Route geht es immer höher hinauf. An einer unvermuteten Wegeteilung, suche ich eine Weilchen nach einem Hinweis, bis ich ein total verrostetes Straßenschild finde, daß weggeknickt im Gras liegt. Da es im Liegen noch so weist, wie ich mir das schon dachte, fahren wir in der Richtung weiter. Inzwischen liegt schon eine Wolkenschicht unter uns, so hoch sind wir. Immer wieder kommen wir durch Dörfchen, deren Straßenleben und die Menschen dort faszinierend sind. Auffallend ist, daß hier fast alle Frauen noch ihre regionale Tracht tragen. Zu zeigen, zu wem man gehört scheint hier noch wichtig zu sein. Bemerkenswert ist auch, die Ordnung hier. So sehen wir in den Dörfchen wenig Müll herumliegen. Auch sieht es in aller Regel sehr aufgeräumt aus. Hier wird anscheinend viel mit Holz geheizt/gekocht und die Güte der Holzstapel würde manchen bayrischen Waldbauern neidisch werden lassen. Ungünstig dagegen entwickelt sich die Straße. Nachdem ich anfangs noch erfreut war über ihre Breite und ihren Zustand, hat sie inzwischen die rasende Schwindsucht befallen. Das nicht nur in der Breite, nein auch in ihrer Flächenhaftigkeit. Sie hat erheblich in der dritten Dimension dazu gewonnen und zwar nach oben (Buckel) wie nach unten (Schlagloch). Wie ich meine, nicht zu ihrem Vorteil. Zumindest nicht zu unserem. Die Vorwärtsbewegung hat manchmal mehr von einem Kamelritt als von einer Autofahrt. An einem Anstieg zum nächsten Berg passiert es dann. Die Straße entledigt sich ihres Teerkleides. Zunächst denken wir noch: „Das gibt sich gleich wieder.“ Aber als die Straße auch nach einem Kilometer nicht besser, nein noch schlechter wird, zweifeln wir doch ein wenig, daß dies noch richtig sein kann. Also wende ich mit bestimmt fünfmal Hin und Her. Auf dem Weg retour geht mir die bisherige Strecke durch den Kopf und mir fällt beim besten Willen nichts ein, wo wir uns verfahren haben könnten. Unsere Papierkarte ist zu kleinmaßstäbig, um das genau nachvollziehen zu können. Also halte ich hier an und schaue mal, ob ich eine GSM-Verbindung bekomme. Und siehe da, vier von fünf Balken, erstaunlich in dieser Einöde. Aber wir sind so hoch, daß wir wahrscheinlich noch die Signalmasten von Mexico City sehen könnten. Also flugs die mobilen Daten aktiviert und mit Maps eine Ortung durchgeführt. Au Weia, wir sind doch tatsächlich auf der richtigen Straße. Normalerweise hätte ich mich darüber gefreut. Der eingezeichneten Breite der Straße nach, sollte sie in spätestens 2 Kilometern (leider wird der Maßstab je Zoomstufe nicht angezeigt!) wieder besser werden. Um es vorweg zu nehmen, sie wurde es nicht. Die Straße beharrte auf ihrem miesen Zustand! An manchen Stellen wurde uns Angst und Bange, entweder war es die Tiefe und Dichte der Schlaglöcher oder die Steilheit dieser Schotter-Lehmpiste. Bloß keine Fahrt verlieren, dachte ich und bretterte manches Mal durch Schlaglöcher vor steilen Anstiegen mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit. Es ging alles gut. Stunden später (im Ernst) gesellte sich zur Straße auch wieder der Teer und wir waren in Ocosingo.

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Eigentlich wollten wir hier einen Blick auf das nahegelegene Tonina werfen. Nachdem hier im Tal aber die Temperaturen wieder nahe des Siedepunktes lagen, brachen wir dieses Unterfangen ab und fuhren weiter gen Palenque. Die Weiterfahrt fand nun regelmäßig auf Teer statt. Sehr schön. Dafür meinte die Straße aber, es sei nicht angebracht auch nur einen einzigen Meter geradeaus zu verlaufen. Sehr blöd. Nach einer Stunde war mein Respekt vor Traudls Beifahrtüchtigkeit ins Unermessliche erwachsen. Bei der Strecke und meiner Fahrweise ohne Tüte auszukommen, nicht schlecht! Kurz vor Aqua Azul machten wir an einer der hier alle paar Kilometer stehenden Imbissbuden halt, um frisches Wasser zu kaufen. Während Traudl zahlte, warf ich einen Blick hinter die Hütte und erspähte ein kleines Idyll. Ein nettes Flüsschen schlängelte sich träge dahin. Das Wasser kristallklar, einige Bänke und Tische am Ufer – und schon saß ich da. BildBild

Zunächst hatten wir keine Küche gesehen, aber es roch eindeutig danach. Wir hatten jetzt richtig Appetit. Mit Händen und Füßen gab ich einer Frau, die mir die Köchin schien, zu verstehen, daß wir gerne etwas essen würden. Nach einer Weile (redete ich wirklich so undeutlich?) bat sie mich hinter diverse Bretterverschläge und ich konnte per Zeigefinger unser Menü zusammenstellen. Eine kurze Weile später bekamen wir Tomaten-und Eisbergsalat, Pollo frito, Reis und Bohnen. Das Pollo war zwar ziemlich sehr fritto aber noch genießbar. Bild

Die Bohnen bekamen anschließend generös die umherlaufenden zukünftigen Pollos Fritos, was diese sehr freute, also daß sie zu essen bekamen, nicht ihre Zukunftsaussichten. So gestärkt und mit deutlich verbesserter Laune versehen, ging es bis zum nahe gelegenen Agua Azul.

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Die Wasserfälle sind ganz nett, hauten uns aber nicht vom Hocker. Vor allem, weil auch hier der Kommerz heftig Einzug gehalten hat. Der komplette Weg den Berg hinauf, ist mit Verkaufsbuden gesäumt. Ungelogen, kein einziger unbelegter Meter. Unser Glück, dass wir so spät dran waren, daß wir erstens bei der Einfahrt nur noch einen reduzierten Tarif (allerdings wegen fehlenden Wechselgelds) zahlten und zweitens 95% der Buden bereits leergeräumt waren. An anderen Stellen waren die Brücken über den Fluss mit Ketten und Vorhängeschloss gesichert, dafür konnte man gegen ein kleines Entgelt per Floß auf die andere Seite gelangen. Nachdem wir alles abgelaufen hatten was erreichbar war und auf ein Bad in Anbetracht der bereits erheblich gesunkenen Sonne verzichtet hatten, ging es weiter nach Paleque. Knapp eineinhalb Stunden später erreichten wir den Ort im Stockfinsteren. Genau wollte ich immer gerne vermeiden. Die Abfahrt von der Hauptstraße zu unserem Hotel fanden wir dank der gespeicherten screenshots noch gut. Dann wurde es wieder kompliziert. Die Zielstraße entpuppte sich wieder als Teerweg. Wir bekamen das nur heraus, weil hier ein Schild auf eine andere Unterkunft hindeutete, die zufällig auch in der Karte verzeichnet war. Der Weg führte eindeutig ins Outback. Als wir die Unterkunft schließlich gefunden hatten, der nächste Schock. Die Cabane, die wir reserviert hatten, war muffig, feucht heiß und sah ein wenig nach Baustelle aus. Wenn ich nicht so müde gewesen wäre, wir wären sofort wieder abgereist. Wir haben gar nicht richtig ausgepackt. Das Dach der Hütte war mit Blattbündeln gedeckt. Von außen ganz urig, innen bedeutete das aber diverse kleine Mitbewohner und ab und an herunterrieselnden Dreck. Wir erblickten auch sofort einen Mückenstecker aber kein Moskitonetz. Wir gingen erstmal was essen, danach würden wir duschen und ausschlafen. Die Herbergsmutter kochte ganz prima und fragte auch gleich, ob wir am nächsten Morgen frühstücken wollen und zählte auf, was es alles gibt. Nach dem zweiten Bier war ich so hundemüde, daß mir alles egal war. Umlullt von Geräuschen der Zikaden, diverser Vögel, Hunde und sonst noch was, schlief ist ein.

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3 Kommentare zu „Fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn

  1. Obwohl Du Meyer heißt, lieber Claas, weicht Deine Hand- und Fußsprache von denen der Mayas wohl ziemlich ab. Daß Du auf die Bohnenpampe gezeigt hast, kann nur daran liegen, daß die Schlaglöcher und die Hitze Eure Hirne kurzfristig etwas vernebelt haben. Gut daß Ihr rechtzeig noch die richtigen Bohnenfresser erkannt habt.

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  2. Hi, also mir gefallen die Bilder mit den Wasserfällen. Von den Buden sieht man ja nichts. Und ihr schaut eigentlich auch noch ganz ok aus, auch wenn ihr schon soooo viele km hinter euch habt und auch sehr sehr viel erlebt. Das muss mal einer in eurem Alter mitmachen und so gut ausschauen 🙂

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