Bagan

Vorgestern sind wir mit dem Bus nach Bagan gefahren. Kay und Paddy holten uns am Hotel ab und brachten uns zur Busstation. Das war auch gut so, denn sie lag versteckt in einer kleinen Nebenstraße, so unscheinbar, daß wir die alleine nie entdeckt hätten. Eingerahmt von einem Laden für Plastikbehälter aller Art und einem Nudelshop. Unter Nudelshop darf man sich nicht das vorstellen, was wir kennen. Zunächst war nur ein größerer Stapel Bananenblätter erkennbar. Kam ein Kunde, so gab es einen ‚Grabsch‘ Nudeln entweder in eine kleine Plastiktüte oder eben jene Bananenblätter. Und Grabsch ist wörtlich zu verstehen. Ein Griff mit bloßer Hand in einen riesigen Topf bereits gekochter Nudeln. Das war das Maß der Dinge.

Abfahrt hätte um 8 Uhr sein sollen, tatsächlich fuhren wir aber schon 20 vor 8 los. Deshalb hatte Kay uns schon um 7 abholen wollen. Wir glaubten erst, nun ginge es raus aus Mandalay. Aber weit gefehlt. Wir kurvten nun fast eineinhalb Stunden durch die Stadt, um andere Fahrgäste abzuholen, teils an den verstecktesten Unterkünften. Unser 20-Sitzer kam manchmal nur mit Mühe durch die kleinen Straßerl. Problematisch wurde es mit dem ED7424F9-71B6-4D65-A090-A85BC8EC086BVerstauen des Gepäcks. Der Bus hatte nämlich keine Gepäckfächer, wie man mir in Deutschland noch mitgeteilt hatte. Mein Koffer war einer der ersten, die vorne neben dem Fahrer zu liegen kam. Die Fahrgäste der ersten Reihe, durften deshalb ihre Füße auf dem Gepäck der Einheimischen platzieren. Mein Koffer lag ganz unten und wurde von drei darauf liegenden Koffern beschützt. Dann endlich verließen wir die Stadt und es ging ein Weilchen über eine autobahnähnliche Straße zügig gen Süden. Bis wir die nach knapp zwei Stunden wieder verließen, um direkt an dieser Ausfahrt an einerBretterbude einen Pipistopp zu machen.

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Pipipause

Als wir die Verschläge, die die Toiletten sein sollten, in Augenschein nahmen, verebbte jeder Harndrang. Traudl drehte sofort wieder um und verschwand wieder Richtung Bus. Ich erkundete äußerst vorsichtig die Rückseite der Verschläge. Dahinter öffnete sich eine weite Graslandschaft, die sich offenbar regelmäßiger Düngung erfreute. Ich trug also meinen Anteil dazu bei und pirschte mich anschließend genauso vorsichtig wieder zum Bus zurück. Dabei kam ich an der Küche dieser Raststation vorbei. Die war wegen ihre dicken Rauchschwaden auch kaum zu übersehen. Wie überall sonst in den ländlichen Gebieten Myanmars wurde auch hier Holz verfeuert. Neben dem chinesischen, von der Regierung geduldeten Raubbaus am Wald und dem inoffiziellen Schmuggel nach Thailand, sicher ein weiterer Grund, dass wir sehr häufig relativ kahle Berge sehen. Dort fallen groß gewachsene Bäume auf, als würden Sie dort nicht hingehören. Erst durch sie wird klar, wie der Wald hier eigentlich aussehen müsste.

Für die folgenden 2 Stunden ging es auf einer schmalen Landstraße in südwestlicher Richtung weiter. Hier konnten wir erstmals die klare Benachteiligung der Frauen live erleben. Die Straße wurde gerade verbreitert. Dazu hatte man wohl schon vor längerer Zeit eine Grobschotterschicht links und rechts neben der bestehenden Fahrbahn aufgetragen.

In der Regenzeit hat sich offenbar Erde und Lehm zwischen den groben Steinen festgefahren. Darauf saßen nun Heerscharen von Frauen in mittäglicher Sonne und klopften mit Hammer und Meißel den Dreck aus den Steinen heraus. Oder sie schleppten Feinschotter von abseits liegenden Haufen zur Straße, um ihn auf der Grobschicht zu verteilen. Einen der wenigen Männer sahen wir auf der Walze sitzen. Er machte das ganze dann platt.

Ganz ähnliches war uns unterwegs auch an den Tankstellen aufgefallen. Alle Tankstellen waren mit Bedienung. Bedient wurde ausschließlich von jungen Mädchen. In der Regel von so vielen, dass mehr Mädchen als Zapfstellen vorhanden waren!BE17E8AB-1A65-49B1-A0D9-C47E61F35917

In Nyaung mussten wir nochmal umsteigen und fuhren in einem kleineren Bus mit 4 anderen Deutschen nach New Bagan. Das war nur noch eine Fahrt von 15 Minuten. Jetzt reichte es aber auch. Die Fahrt durch die savannenähnliche Landschaft bei bestem Wetter war sehr war gewesen. Wir waren froh den Rest des Tages in kühlerem Umfeld verbringen zu können. Abends sind wir am Hotel geblieben und haben draußen zu Abend gegessen. Es ist offensichtlich noch wenig los. Wir waren das zweite Pärchen, das sich hier einfand. Die Bedienungen (sehr viele, sehr junge Mädchen – kam mir bekannt vor) waren eindeutig in der Überzahl. Sie wollten unbedingt, dass wir ganz vorne an einer kleinen Bühne Platz nahmen. Dort könne man das Marionettentheater viel besser sehen. Als wir Marionettentheater hörten, sind wir schnurstracks zum entlegensten Tisch gegangen, der zu finden war. Die Mädel ließen wir völlig verblüfft zurück. Das Marionettenspiel war von der befürchteten Musik begleitet. Ganz im Gegensatz zum Essen, können wir uns mit asiatischen Musikgenüssen so gar nicht anfreunden. Wir sind dann bald ins Bett gegangen. Morgen wollen wir früh raus.

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Der folgende Tag begann aber mit einer riesen Enttäuschung. Nach den Sonnenwetter gestern, hörten wir beim Aufwachen draußen den Regen prasseln. Und wir haben Fahrräder geordert, um die Pagoden und Stupas zu erkunden! Wir sind extra früh aufgestanden, um radeln zu können, wenn es noch nicht so heiß ist. Noch während des Frühstücks, daß hier offenbar wegen des warmen Klimas ganzjährig auf der bereits bekannten Terrasse eingenommen werden kann, regnet es immer wieder schauerartig. Viel interessanter als der Regen sind aber wir und zwar abermals für die Heerscharen von jungen Mädchen, die hier beschäftigt sind. Teilweise umringen sie zu Fünft unseren Tisch? Das Frühstück ist als Buffet aufgebaut und sie wollen uns von Allem, was es dort gibt etwas aufdrängen. Denen ist ganz offensichtlich langweilig. Als wir zurück zum Zimmer gehen, sehen wir, dass der Himmel etwas heller geworden ist. Wir wagen es nun doch und brechen mit dem Radl auf. Mit den dicken Wolken als Sonnenschutz ist es viel angenehmer zu fahren, als wir gedacht hatten. Die schmalen Sandwege, die durch die flache Landschaft führen, lassen sich auch recht gut fahren. So ziehen wir sehr viel länger durch diese grandiose Landschaft voll mit Tausenden von Stupas in allen Größen und Varianten, als wir eigentlich vorhatten. Sie im Einzelnen zu beschreiben, spare ich mir. Zumal es aufgrund der Menge der Bauwerke auch ein klein wenig länger dauern würde als ich zum Schreiben Zeit habe. Da lasse ich besser die Bilder sprechen, sobald ich die mal hochladen kann. Erst nachmittags um halb vier sind wir wieder am Hotel. Erst jetzt merken wir, wie erledigt wir sind. Die später noch aufkommende Sonne, die feuchte Wärme und die ständige Bewegung haben uns ganz schön zugesetzt. Ab unter die Dusche, etwas die Füße hochlegen und die Eindrücke Review passieren lassen und dann zum Abendessen. Was freu ich mich auf die Flasche eiskaltes Tiger Bear!

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