Von Warngau zum Hippo Hollow Country Estate

Gestern konnten wir ganz in Ruhe aufstehen. Einpacken mussten wir nur noch die Kulturbeutel. Nach der Verabschiedung von Lia ging es mittags zum Bahnhof und weiter zum Flughafen. Dort war es so leer, wie wir es noch nie erlebt haben. Bei British Airways waren wir die Nummer 2 am Schalter. Mich wunderte etwas, dass die Dame meinte uns unsere Bordkarte für London nicht geben zu können. Das hatte ja vergangenes Jahr sogar in Rangun für den Weiterflug ab Bangkok geklappt. Very british halt. Danach haben wir uns erst einmal ein zünftig-bayrisches Mittag gegönnt – Weisswurscht, Brezen, Weissbier. Wer weiß schon, was es auf dem schwarzen Kontinent so zu essen gibt, gefüllte Elefantenfüße oder so …

Mit etwas Verspätung gings dann ab nach London. Nein, nicht die falsche Richtung! Genau richtig, dachte ich bis dahin noch. Die Verbindung hatten wir uns ausgesucht, weil ab dort noch der alte A340 mit der großzügigen Bestuhlung fliegen sollte. In good old London angekommen, hatten sich nun 20 Minuten Verspätung angehäuft. Für eine Umstiegszeit von 90 Minuten und ohne boarding pass nicht gerade viel verbleibende Zeit. Dazu kam nun, daß zwischen Ankunftsterminal (5) und Abflugterminal (2) eine nette Busfahrt mit jeweils veritablen Fußmärschen hin zum Bus und weg vom Bus lagen. Der britisch-lakonische Hinweis am Wegweiser zum Abflugterminal, 15 minutes from this point, alarmierte mich doch sehr. Inzwischen waren es nur noch 30 Minuten bis zum Abflug und wir hatten nicht einmal Bordkarten! Ich beruhigte mich damit, daß wir ja schon Plätze vorreserviert hatten und die Nummern hatte ich im Kopf. Oh nee, jetzt mussten wir im neuen Terminal auch nochmal, durch die Security, Sch…eee! (Über diese Umsteigeverbindung müssen wir nochmal sprechen, Sonja.) Mein Hinweis, very, very short in time zu sein, verhalte ungehört. Fast genüßlich wies mich die nette Dame daraufhin an, auch den Gürtel, aus der Hose zu ziehen. Als Traudl dann auch noch die Schuhe ausziehen musste, wäre ich fast geplatzt. Mit hechelnder Zunge erreichten wir endlich den SAA-Schalter. Der Herr schaute sehr bedenklich drein, griff aber sofort zum Telefon, während er parallel dazu auf seinem Terminal rumhackte. In Rekordzeit hatten wir die Boardingcards, eine stakkatomäßige Wegbeschreibung zum Abfluggate und ein alarmiertes Abfluggate.  Dem Herrn mit einen Ohr zuhörend, sah ich mit dem linken Auge, dass wir in Reihe 48 saßen, im Kopf hatte ich aber 69. Mein Hinweis darauf wurde mit einem knappen „aircraft changed“ und einem sehr energischem „hurry up“ gekontert. Ok, ok wir sind ja schon weg. Kurz vor 8 Uhr, der angegebenen Startzeit, saßen wir im Flieger, aber wie. Statt der vorreservierten Plätze im A340, außen in einem Zweierblock, fanden wir uns in der Mitte einer Viererreihe eines A330 wieder. Na super, dafür der ganze Heckmeck, dann hätten wir auch von München aus fliegen können! Damit wir auch schön lange was von der Sitzposition haben, durfte unser Flieger kurz vor der Startbahn geschlagene 35 Minuten auf den line up warten, während vom taxiway links neben uns ein Flieger nach dem anderen auf die Startbahn und up, up and away durfte. Wir waren dann aber recht zügig unterwegs und kamen mit nur noch 15 Minuten Verspätung in Johannesburg an.

Wir waren da, aber unser Guide nicht. Gute 10 Minuten lief ich vor dem Ausgang herum und hielt nach dem Schild mit unseren Namen Ausschau – erfolglos. Dann reichte es uns und ich bin erstmal losgegangen, um das erste Bargeld zu besorgen. Ein freundlicher Polizist, den ich danach befragte, führte mich persönlich bis zu den Automaten und die waren im Stockwerk über uns. Mit bedeutungsschwerer Miene (es fehlte nur noch die Hand am Colt) begleitete er mich auch wieder treppab. Ob er gesehen hat, wieviel ich abgehoben habe? Nun bin ich nochmal rumgegangen und siehe da, nun war auch unsere Abholung vor Ort. Sie entschuldigte sich vielmals, sie hatte im Stau gesteckt. Nun gut, sie übergab uns unsere umfangreiche Mappe mit allen Vouchern, begleitete uns noch bis zum Autovermieter und verabschiedete sich nach erfolgreicher Anmietung wieder. Danach habe ich noch eine inländische Simkarte besorgt (war mit Einrichtung in 5 Minuten erledigt) und kostete 25 € für 1 GB Datenvolumen und 1 Stunde Gesprächszeit.

So gerüstet, ging es auf die Johannesburger Autobahnen und die ersten Fahrversuche im Linksverkehr. Den ersten (und an dem Tag auch letzten) Anhuper kassierte ich an einer roten Ampel. Also ich glaubte sie sei rot, da sie aber blinkte, war sie wohl nicht so richtig rot. Weshalb ich per Hupe aufgefordert wurde nun endlich zu fahren. Komisches Gefühl, vor allem, wenn es das erste Rechtsabbiegen im Linksverkehr ist und es dazu um 12 Fahrbahnen geht. Vier in der Richtung in der ich stand und zweimal vier quer dazu. Puhh, ohne Crash drübergekommen und richtig abgebogen. Geht doch.

Die ersten gut zweihundert Kilometer sind eher langweilig, da dieLandschaft recht eintönig und bretteben ist. Abgeerntete Felder bis zum Horizont. Dafür das Frühling ist, sind die ja früh dran, denke ich mir. Nachdem wir bei der Ankunft 16 Grad hatten, entwickeln sich nun rasch 26 daraus und uns wird klar, warum die Felder schon so weit sind. Traudl nutzt die Gelegenheit und übt sich hier auf der Autobahn auch schon mal am Linksverkehr. 

Als die Gegend deutlich hügeliger wird, wird auch die Flora deutlich abwechslungsreicher. An einigen Pflanzen, machen wir nun wirklich fest in Afrika zu sein. Besonders schön sind die blau blühenden Jacarandabäume oder wie auch immer die hier heißen. Andererseits sind wir auch etwas erschrocken über die riesigen Monokulturen, die wir hier überhaupt nicht erwartet hatten. Riesige Landstriche sind mit schnellwachsenden Kiefern und Eukalyptusbäumen künstlich bepflanzt worden. Teilweise sehen wir auch, wo sie in riesigen Kahlschlägen wieder abgeerntet weden. Zurück bleiben riesige Brachen, die vermutlich in gleicher Weise nachbepflanzt werden. Natürlich gewachsenen Wald sehen wir fast gar nicht! Auch kilometerlange Bananenplantagen finden wir hier.

Nach gut 5 Stunden Fahrt kommen wir an unserer Unterkunft an. Die ist wirklich sehr schön. Wenngleich wir uns den Glauben an eine Lage in unberührter Natur schon zuvor abgeschminkt hatten. Hundemüde sitzen wir auf unserem Balkon und beobachten das Flüsschen und bestaunen, die vielen fremden Vogelarten. Unterwegs hatten wir schon einmal an einem Baum voller Webervögel mit ihren Nestern angehalten. Ob sich die Namensgeber des Hotels hier auch einmal sehen lassen werden? Angesichts der nahen Straße und ihrer Geräuschkulisse, die per Brücke in Sichtweise das Flüsschen kreuzt, wagen wir das zu bezweifeln. 

Nun schaun wir mal, wie die nächsten Tage in der Umgebung werden.

PS: WiFi habe ich hier nur im Restaurant, deshalb sind hier erstmal nur ein paar iPhone-Bilder zu sehen.

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2 Kommentare zu „Von Warngau zum Hippo Hollow Country Estate

  1. Ooohhhh, das war ja gleich schon mal ein aufregender Start. Und dann nach dem langen Flug noch 5 Std Autofahrt incl. Linksverkehr……….alle Achtung. Weiterhin aaaaalles gute.

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