Parque Nacional Alejandro de Humboldt

In der Nacht hat es fleissig weiter geregnet und gewittert. Auch am Morgen ist alles patschnass, aber am bedeckten Himmel zeigen sich schon deutliche blaue Löcher. Auch hier gibt es wieder ein exzellentes Frühstück und wir beraten, ob wir es trotz des langen Regens in den Nationalpark wagen sollen. Da wir aber gestern beim Durchfahren von Baracoa schon gesehen haben, dass der Ort nicht anders ist als alles was wir bisher auf Kuba gesehen haben, beschließen wir recht schnell es zu wagen. Nach Rücksprache mit der Dame des Hauses und einem kurzen Telefonat von ihr haben wir einen Zielort – die Bahia de Taco. Schon nach einer viertel Stunde kommen wir an eine Stelle, die in reinem Matsch weiterführt. Links daneben stehen große T-förmige Betonträger. Da war bestimmt mal eine Fahrbahn drauf. Unsere Matschstrecke führt in einer Rechtskurve weiter und entzieht sich dem prüfenden Blick. Traudl sagt spontan, da ist Schluss, weiter fahren wir nicht. Ich zögere noch, als ein Taxi von hinten kommt, uns überholt und ums Eck verschwindet. Das muss doch gehen, sage ich und fahre weiter. Und tatsächlich, hier mündet ein Fluss und die Träger gehörten zu einer Brücke. Vermutlich ist das die vom Hurrikan in 2016 zerstörte Brücke an der nun eine Behelfsbrücke den Dienst versieht. Davon hatten wir bei der Einweisung zur Fahrzeugübernahme schon gehört und mussten dazu eine Belehrung unterschreiben. Die Behelfsbrücke soll nur Zeitweise befahrbar sein. Vermutlich ist das vom Wasserstand des Flusses abhängig, denke ich mir als ich den betrachte. Die Behelfsbrücke scheint aus den herabgerissenen Fahrbahnteilen zu bestehen, die man auf große Geröllbrocken gebettet hat. Aber selbst große Busse, die die Strecke nach Moa bedienen, fahren hier. Also tragfähig scheint sie zu sein. Danach wird die Fahrbahn wirklich hammerschlecht, Teer ist praktisch nicht mehr vorhanden. Allenthalben ist mit den üblichen Schlaglöchern zu rechnen, dazu Übergänge von Brücken zur Fahrbahn, die mit kleinen Baumstämmen zugestopft wurden, damit drübergefahren werden kann. Durchschnittstempo 15-20 Km/h. Aber die Straße kann man schon fahren, vorsichtig und langsam zwar, aber es geht. Erst als wir ankommen und unser gesuchtes Ziel wieder mehr zufällig finden als das es klar erkenntlich wäre, wird uns klar, dass dies ja schon der halbe Weg nach Moa ist. Den wir ja auf gar keinen Fall nehmen sollen. Wir beschliessen spontan, morgen statt des großen Umwegs über Guantanamo diese Straße wieder zu befahren.
Wir sind gerade angekommen, da hält noch ein Jeep und unsere Mitbewohner steigen aus. Die waren mindestens eine halbe Stunde vor uns aufgebrochen und wir hatten geglaubt, sie wollten heute an den Strand. Sie haben eine Führung über die staatliche Agentur Cubatur gebucht, inkl. Transport. Wir können uns anschließen. Bezahlt wir nach der Tour. Zunächst erfahren wir aber, dass die normale Runde aufgrund der Regenfälle von gestern und heute Nacht nicht möglich ist, da die dabei nötige Flussquerung (zu Fuß!) nicht möglich ist. Traudl atmet erleichtert auf 😉 Ersatzweise wird uns eine Tour per Boot über die Manatibucht (in dieser ruhig gelegenen Bucht leben noch Seekühe) mit Tour auf der vorgelagerten Cayo angeboten. Das nehmen wir gerne an und nachdem der Ruderer (Verbrennungsmotoren sind hier verboten) eingetroffen ist, geht es los. Schon auf der Herfahrt waren wir begeistert von der Landschaft. Aber die Tour war nun das Tüpfelchen auf dem i. Die einzige Einschränkung war die Wasserqualität der Bucht. Normalerweise sei das Wasser hier kristallklar, so dass man oftmals die Seekühe am Grund der Bucht grasen sehen könne. Heute war das Wasser rotbraun von all dem Schlamm, den der angestiegene Fluss, der hier mündet, eingeschwemmt hat. Wir fahren in die Mangroven hinein, von denen es hier vier verschiedene Arten gibt, lernen wie sie sich vermehren, indem sie einen lanzettförmigen Fruchtkörper bilden, der abfällt und sich günstigstenfalls bereits an Ort und Stelle in den Schlamm bohrt und dort wurzelt. Wir sehen viel Getier, erleben was es heisst, wenn Kokosnüsse herunterfallen, lernen auf Blättern zu schreiben und finden tolle Meeresschneckengehäuse. Manche so groß wie ein 2 Kg-Pfisterbrot, aber damit leider viel zu schwer zum Mitnehmen. Und das mitnehmen sei überhaupt kein Problem, sagt unser Guide. Er hilft mir sogar beim Suchen. Andererseits sehen wir hier auch unmittelbar ein anders Problem der Weltmeere. Der Abschnitthier ist völlig naturbelassen und so ist neben diesem natürlichen Treibgut auch eine Unmenge an Plastikunrat angespült worden und macht deutlich, das die Welt nicht nur mit der Zusammensetzung der Atmosphäre ein großes Problem hat.
Als wir von der Insel wieder ablegen, warte ich am Ufer bis alle eingestiegen sind. Direkt im flachen Wasser des Ufers, war mir ein seltsames Muster aufgefallen, als ich näher hinsehe, traue ich meinen Augen nicht, da liegt eine Muräne zwischen den Steinen, genau da, wo gerade die drei ins Boot gestiegen sind! Das Tier hat eine tolle netzartige Zeichnung auf schwarzem Grund. Ich tippe unserem Guide auf die Schulter und zeige mit dem Finger in die Richtung des schlangenartigen Fisches. Moray bestätigt er sofort und winkt die anderen ganz aufgeregt heran. Mit einem Stöckchen, holt er sie aus ihrem Versteck und sie sucht sich ein neues. Dabei ist erst zu sehen, dass das Tierchen ungefähr auf einen Meter Länge kommt, nicht schlecht. Ein toller Abschluss des Ausfluges. Bereits beim Einsteigen in das Boot hatte es begonnen zu regnen. Wir wurden bei der Rückfahrt tüchtig nass, weil es aber nicht kalt war, war das gar nicht so schlimm. Als ich unseren Guide nach der Ankunft dann nach der Bezahlung fragte (da war eigentlich ein kleines Büro vor Ort, das anfangs auch die Voucher kontrollierte) meinte er nur, dass könne ich auch direkt bei ihm erledigen. Er verlangte je fünf CUC. Da die beiden anderen je 25 gezahlt hatten (zwar mit Transport) habe ich ihm noch fünf CUC draufgegeben, der Junge hatte schließlich gerudert wie ein Weltmeister! Er hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Der Tag hatte sich für ihn gelohnt. Die Rückfahrt war genauso ok wie die Fahrt zuvor. Nur hatten sich durch die Regenfälle deutliche Bäche neben und quer über die Fahrbahn gebildet. Aber nichts dabei, was wirklich behinderte. Wir sind dann noch bei Tageslicht durch Baracoa an das andere Ortsende, weil wir dort in der Nacht zuvor eine Tanke gesehen hatten. Mit vollen Tank sind wir dann wieder zur Casa. Die Fahrt durch den verschlammten Ort bestätigt uns nur darin unsere schönen Eindrücke nicht trüben zu lassen. Duschen, was trockenes anziehen und noch das restliche Sonnenlicht genießen, bevor dies hinter den Bergen verschwindet. Für das Abendessen haben wir uns ein Shrimpsgericht gewünscht, dass wir gestern bei Lisa und Christoph gesehen hatten. War wieder ausgesprochen lecker! So haben wir diesmal bis neun Uhr draussen gesessen und den Tag review passieren lassen, als es mal wieder heftig zu regen begann. Irgendwann nach elf sind mir die Augen zugefallen während es immer noch regnete.

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