Ausflug nach Yaxchilan und Bonampak

Diese Nacht war weit weniger ruhig als die zuvor. Ständiges Hundegebell hat uns immer wieder aufgeschreckt und nur unruhig schlafen lassen. Gegen drei Uhr hat es zu allem Überdruß auch noch angefangen zu regnen. Als wir um sechs Uhr losfahren regnet es immer noch. Uns Wirt meinte, man würde so ca. eineinhalb Stunden brauchen, um nach Frontera Corazal zu kommen. Von dort geht es mit dem Boot ca. 45 Minuten den Usumacinta hinunter, um Yaxchilan zu erreichen. Nach der angegebenen Zeit haben wir gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft. Viele Schlaglöcher und vor allem noch mehr Topes lassen uns nur langsam voran kommen. Dafür erscheint vor uns ein immer breiter werdender heller Streifen am Horizont. Tatsächlich haben wir Glück. 20 Kilometer vor dem Usumacinta, dem Grenzfluss zu Guatemala, klart der Himmel auf und die Sonne scheint wieder. Dafür ist die Piste nur noch ein staubiger Schotterweg, der z. Zt. zur Straße ausgebaut wird.

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Nach einmal fragen im Ort haben wir den (natürlich) nicht ausgeschilderten Ablegepunkt der Boote gefunden. Kaum haben wir geparkt, werden wir bereits von einer Art Schlepper angesprochen, der uns mitteilt, daß ein Boot 800 Pesos kostet. Das sieht mir mindestens nach gallopierender Inflation aus. In unserem Reiseführer heisst es, das Boot koste 300 Peso, zwar Stand 2011 aber immerhin. Ein spanisches Pärchen gesellt sich zu uns und die junge Frau fragt mich auf englisch, ob wir auch mit dem Boot nach Yaxchilan wollen. Als wir das bejahen, beschließen wir uns ein Boot zu teilen. Als der Vermittler das hört, steigt der Preis gleich auf 900 Peso. Mir bleibt gleich die Luft weg, als ich das höre. Das Mädel merkt das und fragt mich, ob mir der Typ schon einen Preis genannt habe. Als ich ihr die 800 Peso nenne, sagte sie: „Prima, dann sind es je Paar ja nur noch 450“. Das Pärchen scheint verhandeln nicht gewohnt zu sein. Sie wollen den erstgenannten Preis gleich akzeptieren. Geht ja gar nicht. Der Typ redet jetzt nur noch Spanisch, seit die Beiden bei uns stehen, so muß das Mädel übersetzen. Da er gemerkt hat, daß die anderen Beiden sogar die 900 Pesos akzeptiert hätten, bleibt er hart und geht nicht mehr runter. Erst als ich dem Mädel auf englisch sage, dass ich jetzt nach Bonampak fahre und mich zum Auto umdrehe, bewegt er sich wieder. Bonampak hat er verstanden, und das Mädel braucht nicht zu übersetzen. Der Preis ist wieder bei 800. Da die beiden schon etwas genervt gucken, belasse ich es dabei und zahle zähneknirschend meine 400 Pesos. Die Fahrt im überdachten Boot ist prima und nach etwa 45 Minuten flussabwärts erreichen wir die Anlegestelle.
Schon der Weg zu den Bauten ist einzigartig. Er führt über einen schmalen Pfad durch dichten Wald. In der Nähe hören wir Brüllaffen fast schon furchterregende Töne von sich geben. Dazu kommt der ganze Dschungel-Sing-Sang, der uns umfängt. Die ersten Bauten tauchen auf und durch schmale, dunkle und etwas unheimliche wirkende Gänge, in denen wir auch noch Fledermäuse aufscheuchen, müssen wir uns in das Innere der Anlage hindurchwinden.BildBildBildBild

Der ganze Ort entfaltet seine eigene Mystik – und schwupps haben wir einen neuen Favoriten. Eindeutig ist dies die Nummer eins! Staunend stehen wir vor der steilen Treppe, die zum großen Tempel hinaufführt. Plötzlich erscheint eine Schulklasse mit ihrem Lehrer. Mit der Stille ist es inmitten von ca. 30 fröhlich schnatternder Schüler vorbei. Wir unterhalten uns ganz angeregt mit ihrem Lehrer, der etwas englisch üben möchte. Dabei erfahren wir, daß seine Muttersprache Chaan ist. Er kommt von hier und Spanisch ist nur seine Zweitsprache. Er unterrichtet Informatik und klagt etwas darüber, wie mühsam dieses Geschäft ist, da sie fast keine Computer zum Üben haben. Ich zeige ihm darauf hin auf dem Handy, was wir beim ADAC in Deutschland für tolle Apps konzipieren. Darauf gibt er sein Handy einem Begleiter und will sofort mit uns fotografiert werden. Bevor wir uns verabschieden, gibt er uns noch augenzwinkernd mit auf den Weg, dass gleich ums Eck ein Lift zum Tempel hinaufführt, nur habe man leider noch keinen Stromanschluss gelegt. So schleppen wir uns denn im Schweiße unseres Angesichts den Berg rauf. Ein sehr schön erhaltener Fries ist der Lohn. Hier finden wir auch die Skulptur, von der uns schon der Lehrer erzählte. Torso und Kopf sind getrennt gelagert.

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Einer alten Sage der hier lebenden Ureinwohner nach, würde das Zusammenfügen der beiden Teile zum Weltuntergang führen. Da das auch die Archäologen nicht verantworten wollten (man weiß ja nie so genau) haben sie dem Wunsch entsprochen und den Kopf in eine andere Nische gelegt. Nochmals 15 Minuten weiter über einen schmalen Dschungelpfad den Berg hinauf, stehen die wichtigsten Sakralbauten der damaligen Bewohner.

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Ich bin der einzige Besucher weit und breit. Traudl ist wegen der Affenhitze schon mal zur Acropolis auf der anderen Seite des Hügels aussen rum vorgegangen. Eine ehrwürdige Ruhe umgibt mich, selbst die allgegenwärtigen Dschungelgeräusche scheinen verstummt zu sein. Im Schatten verweile ich ein wenig, bis ich nicht mehr aus jeder Pore schwitze. Auf den freigelegten Flächen ist es in der Sonne unerträglich heiß. Dazu die hohe Luftfeuchte und schon klebt jeder Faden am Körper.
Am Bootsanleger treffe ich Traudl wieder. Tief beeindruckt fahren wir in einer knappen Stunde den Usumacinta wieder hinauf zu unserem Ausgangspunkt.
Einige Kilometer unser Route zurück geht es links ab zu unserem nächsten Ziel. Die Vorfahren der hier ansässigen Lancandonen, verwalten eine einmalige Sehenswürdigkeit. Um dort hinzukommen, müssen wir unser Auto stehen lassen und in ein Lancadonen-Taxi umsteigen. Dies ist eine Art Autonomiegebiet und wir dürfen nicht mit dem eigenen Wagen weiterfahren. Beim Gespräch mit dem Lancandonen-Taxler fällt uns nochmals deutlicher auf, was schon den ganzen Tag sichtbar war. Die Menschen hier können ihre Verwandtschaft mit „den Mayas“ nicht verleugnen. Besonders im Profil erkennen wir die typische Nasenform und die fliehende Kinn- und Stirnpartie. Genauso, wie wir es auf Bildern oder Skulpturen gesehen haben.
Vom Endpunkt der Taxifahrt haben wir nur fünf Minuten Fußweg bis wir auch das Gelände selbst erreicht haben. Einige sehr schön erhaltene Stelen sind hier noch zu sehen. Die waren in den großen Mayastätten wie Chichen Itza und Uxmal gar nicht vertreten.

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Die Hauptsehenswürdigkeit ist aber ganz anderer Art und ein absoluter Höhepunkt. In drei kleinen Kammern des Hauptbauwerkes haben sich Originalmalereien in bestechender Qualität erhalten. Über die Jahrhunderte hatte sich ein Kalksinterüberzug über die Malereien gelegt und die Farben in hervorragender Qualität erhalten. Nur in der ersten Kammer sind die Darstellungen nicht mehr allzu gut erkennbar. Die ersten unfachmännischen Freilegungsversuche haben viel zerstört. Aber in Kammer zwei und drei sind die Darstellungen klar und die Farben strahlend frisch.

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Über eine Stunde verbringen wir hier, bis uns der Lancandone (ich will immer Klingone schreiben, weiß auch nicht warum. Vielleicht liegt das an meiner frühkindlichen TV-Prägung 😉 ) wieder zum Ausgangspunkt zurückfährt.
Zweieinhalb Stunden später, inzwischen war es schon wieder dunkel geworden, stehen wir wieder vor unserer Cabane. Dort müssen wir erfahren, daß unsere Herbergsmutter erkrankt ist und es heute nichts zu essen geben wird. Ihre Vertreterin gibt uns einen Tipp für ein gutes Restaurant. Gleich am Eingang des Nationalparks soll es sein. Es stellt sich heraus, daß es der Nummer eins Tipp auch aus unserem Reiseführer ist. Bei Don Mucho gibt es eine Mischung aus mexikanischer und italienischer Küche. Die Pizzen sehen sehr appetitlich aus. Und so gibt es heute für mich Pizza Hawai!

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2 Kommentare zu „Ausflug nach Yaxchilan und Bonampak

  1. Das noch relativ Unverfälschte ist für uns halt doch immer am Schönsten ! Und dann noch mitten im Dschungel, was kann man sich Tolleres vorstellen.
    Es sagt einiges, daß Ihr Euch Pizza statt einheimischem Essen bestellt habt. Wünsche wohl geschmeckt zu haben.

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  2. Hallo, wieder mal sehr schöne eindrucksvolle Bilder von der Landschaft, und das Wetter scheint auch immer sehr schön bei euch zu sein. Will auch dahin, bäh bäh 😥
    Die Zeit vergeht so schnell. Nicht mehr lange dann seid ihr wieder in der bayrischen Heimat und könnt viel erzählen über eure Eindrücke und was ihr so alles erlebt habt. Bis dahin liebe Grüße

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