Der Westen Kubas

Etwas nach 9 geht es los Richtung Vinales. Ich fädele mich Richtung Malecon West in den wenigen Verkehr ein und los geht’s. Nach nur einem Kilometer wird unser Tatendrang jäh gebremst. Drei Polizisten und ein Motorrad mit Beiwagen stehen auf Höhe der Hafeneinfahrt. Als ich mich noch frage, ob der dritte Polizist nun als Sozius mitgefahren ist oder sich mit in den Seitenwagen gezwängt hat, deutet eine von den Dreien, die nun als junge Polizistin zu erkennen ist mit leicht lasziver Geste auf eine Straße die nach links abzweigt. Wir bleiben neben ihr stehen und fragen, was los ist. Als sie auf Englisch angesprochen, muss sofort Herr Kollege einspringen. Der Malecon ist gesperrt heißt es lapidar und wir sollen hier links abbiegen. Geht ja gut los, denke ich noch und bemerke erst dann, dass ich mich auf einer Rampe abwärts bewege. Es geht durch den Tunnel auf die andere Seite, wo wir gestern schon waren. Na Klasse, super Start! Also wieder retour und rein in die Stadt, die schon knallvoll ist. Hier erfahren wir, dass wir uns mitten im Havana-Marathon befinden. Nun wieder in die Spur zu finden ist nicht einfach. Permanent taucht vor uns ein Polizist auf und bedeutet uns hierhin oder dorthin zu fahren. Schließlich schaffen wir es das Marathongebiet hinter uns zu lassen und die Autobahn Richtung Vinales zu finden. Bereits wenige Kilometer hinter der Stadtgrenze, als die Fahrbahnen nicht mehr mit hohen Bordsteinen abgegrenzt sind, werden die wenigen Verkehrsteilnehmer vielfältiger. Neben Autos, Bussen und Motorrädern gesellen sich nun noch Fußgänger, Radfahrer (natürlich Rennradler – ja, ne, is klar!) und Pferdefuhrwerk zum Verkehrsgeschehen. Natürlich in allen Richtungen. Also auch als Geisterfuhrwerk oder wie man da sagt. Nachdem mir das erste Fuhrwerk auf die Weise begegnete, fuhr ich nur noch in der Mitte.
So tuckelten wir weiter und fuhren bei Las Terazzas raus, um eine Pause in dem bekannten Erholungsgebiet zu machen. Auch hier haben die Gebäude den üblichen sozialistischen Charme Betonnostalgie pur. Die Landschaft allerdings gleicht das wieder aus. Ein Wald, der aus einer einmaligen Mischung von Pinien, anderen kleinwüchsigeren Bäumen und Palmen besteht. Die Palmen sind die mit Abstand größten Gewächse. Wir entschließen uns deshalb der Straße durch den Nationalpark zu folgen und nicht mehr auf die Autobahn zu fahren. Die Landschaftsbilder rechtfertigen das allemal. Hätten wir gewusst auch welche Strassenqualität wir treffen, hätten wir das nie und nimmer getan. Für 110 Kilometer brauchen wir über 4 Stunden. Das hier war eine Hauptverbindungsstraße und trotzdem in einem so erbärmlichen Zustand, dass vielfach nur noch Schrittgeschwindigkeit möglich war. Erst bei La Palma, dort wo es zur Cayo Justitia abgeht, verbessert sich der Strassenzustand deutlich. Die Strecke war echt der Hammer. Falls irgendjemand die Idee haben sollte, genauso zu fahren – wir raten dringend ab!

Nach einigen Irrungen und Wirrungen unseren heutigen Gastgeber zu finden, die nur durch einen Telefonnotruf bei ebendem beseitigt werden konnten, werden wir sehr herzlich in der Casa Campo aufgenommen und rührend versorgt. Unsere Unterkunft ist praktisch ein klein „Häuschen“ neben dem der Gastgeber, ein Vorraum zum Essen, ein Schlafzimmer und ein winziges Bad mit Dusche. Alles piccobello sauber und sehr schön hergerichtet. Was Marisel später zum Abendessen auftischt, ist super lecker und lässt uns fast platzen. Nach einem radebrechenden aber sehr unterhaltsamen Abend fallen wir müde ins Bett.

Vinales
Die Nacht war der Hammer. Eigentlich hatten wir erwartet, hier besonders ruhig schlafen zu können. Aber Pustekuchen! Erstens stellten wir jetzt fest, dass die Fenster gar keine Glasscheiben haben sonder dicke, bewegliche Holzlamellen. Die kann man gemeinsam drehen und rausschauen bzw. Licht hereinlassen oder schließen. Natürlich schließen die nicht dicht und so hört man von draussen alles ungedämpft. Wir lagen kaum in den Federn und freuten uns über die recht gute und frische Luft (Havanna stank die ganze Zeit wie eine Treibstoffraffinerie), da begann draußen ein Hundegebell, das seinesgleichen suchte. Es begann an einem Punkt und pflanzte sich von dort wie eine Welle über den ganzen Ortsteil fort, brandete wieder zurück und wollte überhaupt nicht mehr aufhören. Hunde muss es hier Unmengen geben. Dann fingen mitten in der Nacht (!) plötzlich Hähne und/oder Hühner das Krähen und Gackern an. Selbes Szenarion durch das Tal. Ich habe mir schließlich die Ohrenstöpsel vom Flieger geholt. Damit ging es dann. Aber um 04:30 gings wieder los und hörte auch nicht mehr auf. Schließlich wurde es langsam dämmrig und da ist ein kubanischer Hahn nicht still. Heute Abend bestelle ich Pollo, nein besser gleich zwei!
Das Frühstück war genauso umfangreich wie das gestrige Abendessen. So konnte es losgehen. Wir hatten einen Guide aus der Nachbarschaft, der uns zur ortsüblichen Rate von 25 CUC /Person durch die Gegend führen würde. Es war noch feucht von der Nacht, als wir um 8 Uhr aufbrachen. Die Landschaft ist super und es hat viel Spaß gemacht durch die Gegend zu marschieren, viele Pflanzen, wilde wie Nutzpflanzen erklärt zu bekommen. Da es sich hier um einen Nationalpark handelt, müssen alle bäuerlichen Aktivitäten ohne Maschinen ausgeübt werden und es dürfen keine Dünger oder Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Man sieht auch nur Pferdefuhrwerke und Ochsenkarren. So vom Öko überzeugt haben wir dann bei einem kleinen Bauern auch zehn Zigarren erstanden, nachdem er uns und zwei Italienern mit viel entertainerischem Talent, die Zigarrenherstellung erläuterte. Ich wussste bspw. nicht, dass eine solche Zigarre einen äußerst niedrigen Nikotingehalt hat, da vom Blatt der Stengel und die mittlere Hauptader herausgetrennt wird. Darin soll sich der Hauptteil des Nikotins befinden. Außerdem sollen die Zigarren nun am besten ca. 4 Jahre (!) reifen und zwar am besten in dem Beutel, den in dem sie verpackt wurden und daheim dann im Kühlschrank, damit sie nicht austrocknen. Fast fünf Stunden sind wir insgesamt unterwegs und danach gut müde.
Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten sind wir am späten Nachmittag noch auf die andere Seite von Vinales gefahren, um an einem bekannten view point den Sonnenuntergang zu verbringen. Da wir auch einen Sundowner trinken wollten, haben wir ein Taxi genommen. So sind wir auch noch zu einer Fahrt in einem ziemlich ramponierten Moskwitsch gekommen. Kurz nach Vinales gerieten wir schon in eine der allgegenwärtigen Polizeikontrollen. Der Zustand des Wagens schien die Herren aber gar nicht zu interessieren. Ausführlich wurden zwei kleine Papiere studiert, die unser Fahrer präsentierte. Dann erging man sich in langer Diskussion, ausgiebig durch heftiges gestikulieren unterstrichen. Zehn Minuten später saß der Fahrer wieder bei uns, verdrehte gespielt genervt die Augen, stieß ein „hoh, polizia“ hervor und weiter ging es. Oben angekommen, war ich ob des Trubels und des dicken Hotels erst ein wenig enttäuscht. Es versperrte doch einen Teil des Ausblicks. Aber ich erinnerte mich an einen Hinweis in einem Reiseblog, ich meine bei Antjeoasis, die einen anderen, etwas abseits von hier gelegenen Aussichtspunkt gepriesen hatte. Direkt kamen wir nicht in die vermutete Richtung. Aber hinter dem Zaun, der uns en Weg versperrte, fuhr gerade ein Wagen vorbei. Dort war also ein Weg. Wir mussten lediglich ein Stückchen in entgegengesetzter Richtung gehen und den Zaun dort umrunden. Nach kurzer Gehzeit tauchte dann der „Balcon des valles“ auf, mit wunderbarer freier Sicht über das Tal. Wir setzten uns und genossen gleich einmal einen Mojito. Nach einiger Zeit gesellte sich noch ein junges Paar zu uns. Yannik und Anna waren auch schon an einigen Plätzen dieser Welt gewesen und so waren wir schnell im Gespräch und die Zeit verging wie im Flug. Der Gedankenaustausch nur kurz durch das Schießen einiger Fotos unterbrochen, wenn die Lichtstimmung sich gerade einmal deutlich verändert hatte. Als wir zum Hotel zurückgekehrt waren und auf das Taxi warteten, dachte ich, mal schaun, ob es hier ein Wifi gibt. Und siehe da, es gab. Nach einigen vergeblichen Versuchen funktionierte der login und ich konnte schnell mal mails checken und einige neue Kommentare hier freigeben. Dann war die Verbindung auch schon wieder weg. Zurück an der Casa war dann wieder „Fressorgie“ bei Marisel angesagt. Allerdings hatten wir jetzt auch richtig Hunger. 12 Stunden waren seit dem Frühstück vergangen, ohne das wir etwas gegessen haben.

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