Von Warngau zum Hippo Hollow Country Estate

Gestern konnten wir ganz in Ruhe aufstehen. Einpacken mussten wir nur noch die Kulturbeutel. Nach der Verabschiedung von Lia ging es mittags zum Bahnhof und weiter zum Flughafen. Dort war es so leer, wie wir es noch nie erlebt haben. Bei British Airways waren wir die Nummer 2 am Schalter. Mich wunderte etwas, dass die Dame meinte uns unsere Bordkarte für London nicht geben zu können. Das hatte ja vergangenes Jahr sogar in Rangun für den Weiterflug ab Bangkok geklappt. Very british halt. Danach haben wir uns erst einmal ein zünftig-bayrisches Mittag gegönnt – Weisswurscht, Brezen, Weissbier. Wer weiß schon, was es auf dem schwarzen Kontinent so zu essen gibt, gefüllte Elefantenfüße oder so …

Mit etwas Verspätung gings dann ab nach London. Nein, nicht die falsche Richtung! Genau richtig, dachte ich bis dahin noch. Die Verbindung hatten wir uns ausgesucht, weil ab dort noch der alte A340 mit der großzügigen Bestuhlung fliegen sollte. In good old London angekommen, hatten sich nun 20 Minuten Verspätung angehäuft. Für eine Umstiegszeit von 90 Minuten und ohne boarding pass nicht gerade viel verbleibende Zeit. Dazu kam nun, daß zwischen Ankunftsterminal (5) und Abflugterminal (2) eine nette Busfahrt mit jeweils veritablen Fußmärschen hin zum Bus und weg vom Bus lagen. Der britisch-lakonische Hinweis am Wegweiser zum Abflugterminal, 15 minutes from this point, alarmierte mich doch sehr. Inzwischen waren es nur noch 30 Minuten bis zum Abflug und wir hatten nicht einmal Bordkarten! Ich beruhigte mich damit, daß wir ja schon Plätze vorreserviert hatten und die Nummern hatte ich im Kopf. Oh nee, jetzt mussten wir im neuen Terminal auch nochmal, durch die Security, Sch…eee! (Über diese Umsteigeverbindung müssen wir nochmal sprechen, Sonja.) Mein Hinweis, very, very short in time zu sein, verhalte ungehört. Fast genüßlich wies mich die nette Dame daraufhin an, auch den Gürtel, aus der Hose zu ziehen. Als Traudl dann auch noch die Schuhe ausziehen musste, wäre ich fast geplatzt. Mit hechelnder Zunge erreichten wir endlich den SAA-Schalter. Der Herr schaute sehr bedenklich drein, griff aber sofort zum Telefon, während er parallel dazu auf seinem Terminal rumhackte. In Rekordzeit hatten wir die Boardingcards, eine stakkatomäßige Wegbeschreibung zum Abfluggate und ein alarmiertes Abfluggate.  Dem Herrn mit einen Ohr zuhörend, sah ich mit dem linken Auge, dass wir in Reihe 48 saßen, im Kopf hatte ich aber 69. Mein Hinweis darauf wurde mit einem knappen „aircraft changed“ und einem sehr energischem „hurry up“ gekontert. Ok, ok wir sind ja schon weg. Kurz vor 8 Uhr, der angegebenen Startzeit, saßen wir im Flieger, aber wie. Statt der vorreservierten Plätze im A340, außen in einem Zweierblock, fanden wir uns in der Mitte einer Viererreihe eines A330 wieder. Na super, dafür der ganze Heckmeck, dann hätten wir auch von München aus fliegen können! Damit wir auch schön lange was von der Sitzposition haben, durfte unser Flieger kurz vor der Startbahn geschlagene 35 Minuten auf den line up warten, während vom taxiway links neben uns ein Flieger nach dem anderen auf die Startbahn und up, up and away durfte. Wir waren dann aber recht zügig unterwegs und kamen mit nur noch 15 Minuten Verspätung in Johannesburg an.

Wir waren da, aber unser Guide nicht. Gute 10 Minuten lief ich vor dem Ausgang herum und hielt nach dem Schild mit unseren Namen Ausschau – erfolglos. Dann reichte es uns und ich bin erstmal losgegangen, um das erste Bargeld zu besorgen. Ein freundlicher Polizist, den ich danach befragte, führte mich persönlich bis zu den Automaten und die waren im Stockwerk über uns. Mit bedeutungsschwerer Miene (es fehlte nur noch die Hand am Colt) begleitete er mich auch wieder treppab. Ob er gesehen hat, wieviel ich abgehoben habe? Nun bin ich nochmal rumgegangen und siehe da, nun war auch unsere Abholung vor Ort. Sie entschuldigte sich vielmals, sie hatte im Stau gesteckt. Nun gut, sie übergab uns unsere umfangreiche Mappe mit allen Vouchern, begleitete uns noch bis zum Autovermieter und verabschiedete sich nach erfolgreicher Anmietung wieder. Danach habe ich noch eine inländische Simkarte besorgt (war mit Einrichtung in 5 Minuten erledigt) und kostete 25 € für 1 GB Datenvolumen und 1 Stunde Gesprächszeit.

So gerüstet, ging es auf die Johannesburger Autobahnen und die ersten Fahrversuche im Linksverkehr. Den ersten (und an dem Tag auch letzten) Anhuper kassierte ich an einer roten Ampel. Also ich glaubte sie sei rot, da sie aber blinkte, war sie wohl nicht so richtig rot. Weshalb ich per Hupe aufgefordert wurde nun endlich zu fahren. Komisches Gefühl, vor allem, wenn es das erste Rechtsabbiegen im Linksverkehr ist und es dazu um 12 Fahrbahnen geht. Vier in der Richtung in der ich stand und zweimal vier quer dazu. Puhh, ohne Crash drübergekommen und richtig abgebogen. Geht doch.

Die ersten gut zweihundert Kilometer sind eher langweilig, da dieLandschaft recht eintönig und bretteben ist. Abgeerntete Felder bis zum Horizont. Dafür das Frühling ist, sind die ja früh dran, denke ich mir. Nachdem wir bei der Ankunft 16 Grad hatten, entwickeln sich nun rasch 26 daraus und uns wird klar, warum die Felder schon so weit sind. Traudl nutzt die Gelegenheit und übt sich hier auf der Autobahn auch schon mal am Linksverkehr. 

Als die Gegend deutlich hügeliger wird, wird auch die Flora deutlich abwechslungsreicher. An einigen Pflanzen, machen wir nun wirklich fest in Afrika zu sein. Besonders schön sind die blau blühenden Jacarandabäume oder wie auch immer die hier heißen. Andererseits sind wir auch etwas erschrocken über die riesigen Monokulturen, die wir hier überhaupt nicht erwartet hatten. Riesige Landstriche sind mit schnellwachsenden Kiefern und Eukalyptusbäumen künstlich bepflanzt worden. Teilweise sehen wir auch, wo sie in riesigen Kahlschlägen wieder abgeerntet weden. Zurück bleiben riesige Brachen, die vermutlich in gleicher Weise nachbepflanzt werden. Natürlich gewachsenen Wald sehen wir fast gar nicht! Auch kilometerlange Bananenplantagen finden wir hier.

Nach gut 5 Stunden Fahrt kommen wir an unserer Unterkunft an. Die ist wirklich sehr schön. Wenngleich wir uns den Glauben an eine Lage in unberührter Natur schon zuvor abgeschminkt hatten. Hundemüde sitzen wir auf unserem Balkon und beobachten das Flüsschen und bestaunen, die vielen fremden Vogelarten. Unterwegs hatten wir schon einmal an einem Baum voller Webervögel mit ihren Nestern angehalten. Ob sich die Namensgeber des Hotels hier auch einmal sehen lassen werden? Angesichts der nahen Straße und ihrer Geräuschkulisse, die per Brücke in Sichtweise das Flüsschen kreuzt, wagen wir das zu bezweifeln. 

Nun schaun wir mal, wie die nächsten Tage in der Umgebung werden.

PS: WiFi habe ich hier nur im Restaurant, deshalb sind hier erstmal nur ein paar iPhone-Bilder zu sehen.

Bald geht’s los…

Yippie, der letzte Arbeitstag ist geschafft! Leider hat die Medaille aber eine zweite Seite – in Gestalt eines zu packenden Koffers. Diesmal gehts ja in keine tropische oder subtropische Klimazone – welche Klamotten packe ich denn da ein?? Da werde ich mir morgen wohl mal die Wettervorhersagen für Jo’Burg und Kapstadt anschauen müssen.

Mein sonstiges Equipment wie der Inhalt meiner Fototasche, Laptop plus Netzteil, Reisestecker, Leatherman, Reisefernglas, Mini-MagLite etc. pp. müllt mir gerade den Schreibtisch zu. Sieht ziemlich vollständig aus und ist es hoffentlich auch. Aber irgendwie mag ich mich jetzt nicht mehr mit dem ganzen Zeug beschäftigen. Ich glaube, ich mache mir jetzt lieber eine gepflegte Flasche Sauvignon Blanc auf und stimme mich schon mal auf die winelands ein.
Genau – so mache ich das!

Golden Rock

Nur ganz kurz, da das Internet grad mal funzt.

Sind heute von einem zweitägigen Ausflug in das burmesisch-thailändische Grenzgebiet zurückgekehrt. Es war ein irrer Trip!

Ich versuche nachher noch ein paar Fotos einzustellen. Zu mehr reicht mir die Zeit nicht. Und ob das mit den Pics noch klappt, ist nicht sicher. Der Rest wird nachgeliefert – versprochen.

So, nun kommt sie die versprochene Nachlieferung:
Die Bilder habe ich ja noch in Yangon hochgeladen bekommen. Nun ist aber schon die erste Arbeitswoche vorüber und es wird Zeit den Bericht zu ergänzen.

Morgens um acht hat uns unser Guide mit dem Auto abgeholt und es ging im Schleichtempo aus Yangon heraus. Verkehrsdichte, Strassen und vor allem Verkehrssteuerung harmonieren nicht wirklich. Wir standen fast die halbe Stunde in einem Stau, der letztlich durch eine ungeregelte Kreuzung versucht wurde. Zwei verkehrsreiche Straßen aber keine Ampel! Als wir endlich die Stadtgrenzen hinter uns gelassen hatten, ging es einigermaßen zügig nach Nordosten Richtung Bago und weiter nach Kyaikhteeyoe. So heißt der Ort an dem sich das zweitwichtigste Heiligtum der Buddhisten in Myanmar befindet. Nach etwas mehr als vier Stunden Fahrt erreichen wir einen kleinen Ort am Fuße der Bergwelt. Dort gibt es erst einmal etwas zu essen während sich unser Guide um die Fahrtgelegenheit auf den Berg bemüht. Hier müssen wir nämlich umsteigen, weil es nur noch per Lkw weitergeht. Privatverkehr ist nicht zugelassen. Die Fahrgäste werden auf sehr schmalen Holzbänken, die auf der Ladefläche montiert sind, den Berg hinaufgekarrt. Der verfügbare Fußraum ist auf die burmesischen Menschen zugeschnitten. Normalgewachsene Europäer bekommen ihre Beine nur schrägsitzend unter. Wir dürfen aber im Fahrerhaus mitfahren. Die Lkw’s fahren erst ab, wenn die Ladefläche mit Menschen und Ladung vollgestopft ist. Die schmale und sehr holprige Betonstraße erklimmt in vielen engen Kurven den Berg. Der Fahrer fährt so schnell wie es der Motor zulässt. Auf die armen Fahrgäste hinter uns wird keine Rücksicht genommen. Jetzt wissen wir den Einsatz unseres Guides zu schätzen! Nach halber Fahrstrecke, gibt es einen kurzen Stopp. Eine Zigarettenlänge für den Fahrer, für uns Gelegenheit sich die Beine zu vertreten und ein paar Fotos zu schießen (hier ist ein sehr schöner Gebirgsbach, der gerne zum Baden genutzt wird). Für die armen Seelen auf der Ladefläche heisst es in der Sonne zu schmoren und zu hoffen, dass es bald weitergeht. Bevor wir aussteigen dürfen, wird aber durchgezählt. Anscheinend wurde dies auch bei der Abfahrt getan und nun wird kontrolliert, ob jemand verlustig gegangen ist. Nachdem der Fahrer ausgeraucht hat, geht es in gleichem halsbrecherischem Tempo weiter. Oben angekommen, wurde wieder durchgezählt und dann durften wir aussteigen. Irgendwie hatte ich mir dieses Heiligtum oben auf einem Berg klein und überschaubar vorgestellt. Weit gefehlt! Neben einem größeren Dorf stehen hier ganze Hotelkomplexe. Mit den Touristen und den Pilgermassen wird hier ein Riesengeschäft veranstaltet. Nach einem Marsch von einer halben Stunde erreichen wir schließlich den berühmten Felsen. Mit etwas Abstand geht er in dem ganzen Drumherum fast unter. Erst als wir direkt daneben stehen, wird uns seine besondere Erscheinung bewusst. Auf ziemlich genau 1100 m Meereshöhe liegt scheinbar kippelig ein riesiger runder Gesteinsklotz auf einer Felskante. Oben drauf befindet sich ein kleiner Stupa, in dem wohl bedacht zwei Haare Buddhas liegen, die die auf der Kante balancierende Felskugel gerade noch im Gleichgewicht halten. An einer bestimmten Stelle stehend, können wir erkennen, daß der Fels tatsächlich nur auf einer sehr kleinen Fläche aufliegt. Unter dem größeren Teil der Unterseite können wir hindurchschauen! Die Pilger haben den Fels mit den Jahren mit einer ordentlichen Schicht Blattgold überzogen. Daher auch sein westlicher Name – Golden Rock. Der Legende nach soll ein frommer Eremit den Fels vom Meeresgrund auf den Berg gebracht und oben drauf auch die beiden Haare Buddhas platziert haben. Muss ein doller Typ gewesen sein, der Eremit. Ich hätte das nicht geschafft. Deshalb sollten gute Buddhisten auch dreimal in ihrem Leben hier zu Fuss (nicht per Lkw!) hinauf marschiert sein! Immer wieder verblüffend wie sich die Riten der Religionen ähneln. Die Pilgerwanderungen zu irgendwelchen Heiligtümern gibt es in allen großen Religionen. Unser Guide scheint neben dem Buddhismus aber auch dem Glauben an Naturgeister anzuhängen. Für die gibt es hier auch einige Tempelchen. Unser Guide hatte uns in Yangon schon mit großer Begeisterung von diesen „Nats“ erzählt. Da Sie hier an verschiedenen Stellen stolaähnliche Tücher um die Götterfiguren legt und davor inbrünstig betet, merken wie ernst es ihr mit diesem Glauben ist. So ziehen wir durch die Tempel und das ganze Dorf bis wir am Ende des Ortes den höchsten Punkt der Umgebung erreicht haben und mit einem phantastischen Rundumblick belohnt werden. Das Beste ist das Glück, das wir mit dem Wetter haben. Nachdem es in den Tagen zuvor auch in Yangon regelmäßig am Nachmittag gegossen hat, ist hier strahlend blauer Himmel. Selbst die kleinen Schäfchenwolken, die uns am Vormittag noch begleitet hatten, haben sich inzwischen vollständig aufgelöst. Nur am Horizont liegen ein paar wenige Wölkchen. Nach einem Besuch in einer Teestube, in der wir neben Tee auch ein paar sehr leckere Tempuras naschen, gehen wir zuvor zum Golden Rock. Es ist inzwischen kurz vor Sonnenuntergang und wir suchen uns einen guten Platz, um den Sunset im Angesicht des heiligen Felsen zu erleben. Wir haben wirklich ein Wahnsinnsglück mit dem Wetter. Schöner und eindrücklicher kann der Sonnenuntergang hier oben sicher nicht sein! Ich glaube, das kommt auf den Bilder (alle ohne jede Nachbearbeitung – direct ooc!) auch einigermaßen rüber. Bei dieser Stimmung und angesichts des Felsens in seiner bemerkenswerten Lage, kann man schon ins Grübeln kommen über göttliche Kräfte. Allerdings haben die Geologen für die Entstehung der Granitkugel und ihrer Lage eine ziemlich eindeutige Erklärung – Wollsackerosion. Ganz typisch für diese Art von Granitgebirge, sagen sie. Tatsächlich sahen wir von dem zuvor beschriebenen höchsten Punkt entlang des Gebirgskamms einige dieser Granitkugeln. Wenn auch keine in dieser außergewöhnlichen Lage.

Nachdem wir uns ausreichend an dem Sonnenuntergang und dem Ausblick ergötzt haben, gehen wir ca. 45 Minuten der Berg hinab. Dort wartet im Golden rock Hotel unser Zimmer auf uns. Nachdem wir uns geduscht haben, gehen wir zum Essen. Da es draußen nur kleine Hütten der Dorfbewohner gab, bleiben wir im Hotel. Das Hotelrestaurant hat etwas sozialistisches. Wir fühlen uns hin- und hergerissen in der Erinnerung an Speisesäle der ehemaligen FDGB-Unterkünfte oder alten Bahnhofswartesälen. Den gleichen Charme versprühte dieses Hotelrestaurant. Dazu jede Menge schwarz gewandete Servicekräfte, teilweise als Auszubildende gekennzeichnet! Wir durften nichts selber tun, Serviette auf die Beine – Servicekraft, Getränk nachschenken – Servicekraft, Reis nachlegen – Servicekraft, Toilette gehen –  nein, da hörte es glücklicher Weise auf.

Am nächsten Morgen waren wir super ausgeschlafen. Die Temperaturen hier oben waren für uns äußerst angenehm. Nach einem kurzen Frühstück und einem noch kürzeren Fußmarsch, kamen wir an der Pilger- und Touristenverladestation an. Hier gab es wieder das gleiche Prozedere wie beim Rauffahren. Wir saßen wieder vorne im Lkw. Sehr zum Missfallen eines Mönches, der ein paar Minuten nachdem wir den Lkw bestiegen hatten, in Begleitung eines Angestellten des Transportunternehmens vorbeiging. Wie schon mal gesagt, Mönche bekommen hier alles! Dieser wollte offensichtlich zu Tale, aber bequem vorne im Lkw. Mit sichtlicher Verärgerung registrierte er, dass wir bereits im Fahrerhaus saßen. Uns war es egal, wir fuhren kurz danach los. Allerdings nur ein paar hundert Meter. Dann stoppten wir mit drei anderen Fahrzeugen, um auf Gegenverkehr zu warten. Der brauste einige Minuten später an uns vorbei. Bevor wir wieder losfahren konnten, hupte es hinter uns und unser Fahrer verhielt noch einen Moment. Und was sahen wir? Ein leerer Lkw in dessen Fahrerhaus neben den Fahrer was saß? Ein Mönch! Für den fährt ein Lkw also auch leer, so ist das hier.

Unten angekommen, erwartete uns wieder der Fahrer mit dem bequemen Auto. Nach drei Abstechern zu der größten Pagode Myanmars, einer Schule mit Audienz beim Abt und einem Mittagessen in einem kleinen Restaurant, dass wir nie gefunden geschweige denn aufgesucht hätten (sah nicht so richtig vertrauenerweckend aus), kamen wir am Bahnhof in Bago an. Hier hatten wir noch eine Weile Zeit bis unser Zug abfahren sollte. Ja, das stand auch auf dem Programm. Zugfahren in Myanmar.  Der Bahnhof war schon gut gefüllt mit Menschen. Auf den Bahnsteig konnten wir aber nicht, der war mit kräftigen Gittern abgesperrt. Die Wartenden lagen vielfach am Boden, schliefen, aßen oder starrten vor sich hin. Wir haben uns lieber am Vorplatz eine Teestube gesucht und dort gewartet. Als der Zug dann kam, war schon dessen Einfahrt ein Erlebnis. Ganz langsam näherte er sich unter lautem Hupen. Trotz der Langsamfahrt schwankte er Hin und Her, wie ein Betrunkener nach durchzechter Nacht. Eine Viertelstunde zuvor waren wir auf den Bahnsteig gelassen worden. Die Wartenden saßen teilweise auf den Schienen, ebenso etliche Händler und Händlerinnen, die wie aus dem Nichts über die Gleise kamen und Proviant anpriesen. Der Sitzplatz auf den Schienen wurde erst geräumt, als der Zug sich auf höchstens 50 m genähert hatte. Kein Wunder, daß er so langsam einfuhr. Als der Zug endlich stand, drängten die Wartenden durch die engen Türen energisch nach innen, genauso wie diejenigen, die aussteigen wollten. Da wir Plätze gebucht hatten (nachdem wir die Verhältnisse hier kennengelernt hatten, wunderten wir uns sehr, dass es das überhaupt gab), warteten wir geduldig, bis sich das dabei entstehende Knäuel vor uns auf wundersame Weise aufgelöst hatte. Im Zug staubte unser Guide die Falschsitzer von den gebuchten Plätzen und schon ging es los. Belüftung oder gar Klimaanlage gab es hier nicht. Alle vorhandenen Fenster waren soweit wie möglich offen, dazu auch noch einige Türen. Auch der Boden trug zur Lüftung bei. Er bestand aus Holzbohlen, durch dessen Ritzen konnten wir den Gleiskörper bewundern. Als unser Guide sah, dass ich meine Wasserflasche zwischen den Füßen abgestellt hatte, ermahnte sie mich dies nicht zu tun. Hier komme es wohl immer wieder vor, dass mein seinem Bedürfnis an Ort und Stelle nachgab. Schließlich hat der Boden ja Ritzen …
Na prima, und worauf sitze ich nun? Ich stellte das Nachdenken dazu vorsichtshalber ein und bewunderte lieber die Landschaft draußen. Bis Yangon blieb es bretteben. Reisfelder wechselten sich mit kleinen Dörfern und Buschhagen ab. Reiher, Wasserbüffel, spielende Kinder und arbeitende Erwachsene zogen an uns vorbei. Hört sich idyllisch an, war es aber nur anfangs. Die Fahrt war echt anstrengend. Obwohl wir nur zweieinhalb Stunden unterwegs waren, hat sie uns echt geschlaucht. Erstens war es richtig heiß, wir hatten gnadenlos gutes Wetter. Zweitens schaukelte das Ding von Zug nicht nur wie verrückt hin und her, es sprang und bockte auch permanent. Die Schienen sind nicht miteinander verschweißt, sondern stoßen mit mehr oder weniger großen Lücken aneinander. Das verursacht ein permanentes Rattern. Dazu kommen grobe Unebenheiten im Gleiskörper, die uns teilweise von den Holzbänken abheben ließen. Als wir Yangon erreichten, stockte uns beim Anblick der Vororte manches Mal der Atem. Wie sauber sahen dagegen die kleinen Dörfer auf dem Lande aus. Hier waren dagegen echte Slums zu sehen. Die Bahnhöfe vor dem Zentrum waren hoffnungslos überfüllt, Menschen überall. An uns zogen Züge vorbei, die ähnlich überfüllt waren, wie jene, die man vielleicht schon mal in Reportagen über Bangladesh oder Indien gesehen hat. Am Hauptbahnhof angekommen, war alles etwas geordneter. Lag aber wohl daran, dass er fast hermetisch mit Gittern abgeriegelt und an den wenigen Zugängen stark kontrolliert war.

Unser Hotel erreichten wir in 15 Minuten zu Fuß. Wir waren ganz froh ein paar Schritte gehen zu können. Inzwischen war die Sonne untergegangen und wir mussten wieder sehr aufpassen wohin wir traten. Aber alles ging gut und am Hotel erwartete uns auch schon unser Fahrer mit dem Gepäck. Wir verabschiedeten uns nun von den beiden netten Menschen nach Übergabe eines angemessenen Trinkgeldes. Jetzt wollten wir nur noch aus den verschwitzten Klamotten raus und unter die Dusche. Für große Ausflüge nach Chinatown fehlte uns anschließend die Energie. Wir sind nebenan in den Sakura-Tower gegangen und haben aus dem Restaurant im 20. Stock den Ausblick auf die goldglänzende Shwedagon-Pagode genossen. Genauso wie ein kühles Bier und ein leckeres Essen.

Am nächsten Morgen sind wir noch zum nahe gelegenen Bogyoke-Markt gezogen. In Myanmar ist er wohl der größte Markt unter Dach. Bis Mittag hatten wir die noch fehlenden Mitbringsel erstanden und das Restgeld unter die Leute gebracht. Pünktlich um 12:00 Uhr ging es dann per Taxi zum Flughafen. Weniger pünktlich war unser Flieger von Bangkok Airways. Zwei Stunden Verspätung. Gott sei Dank hatten wir ausreichend Zeitpuffer für den Flug von Bangkok nach Doha. Aber es wurde schon fast knapp. Wegen der großen Verspätung hat sich die Bodencrew in Yangon bemüht uns, wie auch das Gepäck komplett durchzuchecken. Wir mußten also in Bangkok kein Gepäck holen und hatten unsere boarding-cards bereits bis München. Das war auch gut so. In Bangkok sind wir direkt vom ersten Flieger zum Anschlussflug gegangen. Dort hatte das Boarding des A380 schon begonnen. Nach kurzem Umstieg in Doha, gings dann mit einem Dreamliner weiter nach München, wo wir dann am nächsten Morgen kurz vor sieben ankamen.

Was für eine Reise! Wir werden noch lange von diesen Erlebnissen zehren. Sehr gespannt sind wir auf das Ergebnis der Wahlen 8. November. Wir wünschen den Menschen dort so sehr, dass sich endlich etwas ändern wird. Es gibt so viele dort, die sehr darauf hoffen.

 

Das Herz Myanmar’s

haben wir heute besucht. Die Shwedagon-Pagode ist das religiöse Zentrum des Landes und wenn man erfahren hat, daß sich im Leben der Birmanen letztlich fast alles um den Buddhismus und seine Lehren dreht, dann ist es sich nicht verkehrt anzunehmen, hier schlägt Birmas Herz, hier findet man zur Seele dieses Landes.

Begonnen hat der Tag mit einem zweiten Frühstück auf birmanische Art. Eine Suppe, genannt Mouhinga, meist eine Fischbasis mit diversen Einlagen insbesondere Nudeln wird in der Regel gegessen. Ich fand es witzig, wie pragmatisch in der Küche mit den hartgekochten Eiern umgegangen wird – sie werden einfach mit einer Schere in mundgerechte Stückchen zerschnitten. Neben den Nudeln werden sehr gerne Gemüse-Tempura hineingebröselt. Fischsauce zum Salzen und Korianderblätter als Würze sind unvermeidlich. Das hat mich sehr an Vietnam erinnert. Der Tempelbezirk in dem wir uns zum Frühstück befinden, muß etliche Quadratkilometer umfassen. Über hundert Klöster sind rundum angesiedelt, immer wieder treffen wir auf Mönche und Nonnen. Wir beteiligen uns an den Mönchsgaben auch wenn mir dabei nicht ganz wohl ist. Dieses System empfinde ich schon ein wenig überspitzt. Mehrfach beobachte ich, mit welcher Penetranz und welch forderndem Auftreten die Mönche ihre Gaben „erbitten“. Und wenn genug zu Essen gesammelt wurde, dann wird auch mit aller Deutlichkeit Geld gefordert. Widerspruch gibt es keinen. Ich erinnerte mich an einen Guide in Indonesien, der mir damals erklärte, dass ein wesentlicher Grund, warum in seiner Heimat vieles nur so langsam voranginge im Buddhismus begründet liege. Die Familien verschulden sich teilweise sogar um bei hohen Festen den allgemeinen Erwartungen gerecht zu werden. Für Viele scheint wegen der Aussichten auf das Jenseitige das Dieseitige nebensächlich. Die vielen Läden, Märkte und Werkstätten sind im Wesentlichen wegen der Pagode da. Von Werkstätten für Opfergaben jedweder Art, den dazugehörigen Läden und Märkten in denen diese Erzeugnisse wieder feilgeboten werden, bis hin zu gewöhnlichem Tand wird alles Erdenkliche erschaffen und verkauft. Durch etliche dieser Läden, Werkstätten und Märkte sind wir gestreift, haben so Vieles erklärt bekommen, dass ich es in so kurzer Zeit gar nicht in diesen Beitrag stopfen kann. So waren schon zwei Stunden verflogen, bevor wir das erste Mal vor der eigentlichen Pagode standen.

Nach dem Auslug waren wir klatschnass geschwitzt. Es war heiß und feucht. Ich möchte nicht wissen, wie das im richtigen Sommer hier ist. That meinte, dann herrscht auf den ausgelegen Gehmatten richtig Gedrängel, weil auf dem Steinboden keiner mehr gehen kann. Wir sind nach einer Dusche und ausgiebigem Füßehochlegen am späten Nachmittag wieder aufgebrochen, um die Shwedagon nochmal beleuchtet zu sehen. Das hat sich gelohnt, der Anblick selbst, aber auch das rege Treiben am Rande waren die 2 Stunden Aufenthalt wert. Anschließend haben wir ns noch einen Ausflug auf den Sagoda-Tower gegönnt und im Restaurant im 20. Stock ein, zwei Bierchen gezischt und den Ausblick auf die Shwedagon genossen. Der Rest derStadt gibt nichts her. Kein Vergleich mit Bangkok.

Shwedagon in der Nacht
Shwedagon in der Nacht

Yangon

heute haben wir unser kleines Idyll, die Yoma Cherry Lodge verlassen müssen, um in die größte Stadt des Landes (6 Mio. Einwohner) zu fliegen. Der Flug mit der ATR 72 war kurz und komfortabel. Wir saßen ganz vorne und hatten Fußraum bis zum Abwinken. Am Flughafen wurden wir wieder abgeholt und hatten Gelegenheit über die Stadt zu sprechen und erste Eindrücke zu sammeln. Es dauerte ungefähr eine Stunde bis wir am Hotel ankamen, da wir eine relative junge Erscheinung in Yangon erlebten – Stau. Vor zwei Jahre hat das angefangen, meint That. Seit dem sich das Land richtig geöffnet hat, geht es in Yangon rund. Mandalay als zweite Metropole wirkt dagegen kleinstädtisch. Yangon ist der unbestrittene King. Im Vergleich zu anderen südostasiatischen Metropolen wie Bangkok oder Saigon ist Yangon aber immer noch ein Zwerg. Der aufzuholende Weg ist lang, sehr lang. So ist beispielsweise einer der bedeutendsten Kolonialbauten, der Yangon Division Court im 2. Weltkrieg (!), durch einen Bombenangriff teilweise zerstört worden. Die Schäden sind bis heute nicht beseitigt worden, obwohl das Gebäude, wie die meisten anderen Kolonialbauten weiter genutzt werden. Wir haben am Nachmittag einen im Reiseführer von Stefan Loose (sehr empfehlenswert!) beschriebenen Rundgang an diesen bedeutendsten Bauten entlang gemacht. Der Eindruck verschlägt einem die Sprache, aber ich denke, der Grad des Verfalls kommt sogar über die Bilder gut rüber. Als Nächstes fallen uns die Unmengen an Garküchen auf, die es hier gibt. Man hat den Eindruck überall wird auf der Straße gegessen, viel mehr noch als das in anderen birmanischen Orten der Fall war. Und es gibt Unmengen von Krähen! Als es noch hell war, sind sie uns schon durch ihre bloße Anzahl aufgefallen. Als es aber dunkel wurde, haben sie in den Bäumen um den Mahamondoola Garden einen Lärm verursacht, der sogar den Straßenverkehr übertönte. Da war so unheimlich, daß ich davon ein Video machen musste, um den Lärm zu konservieren.

Irgendwie macht uns die Stadt fertig, man weiß gar nicht so genau, ob man abgestoßen oder fasziniert sein soll. Am Ende unseres Rundgangs haben wir dankbar den Tipp von Stefan Loose angenommen und uns im Strand Hotel (von den gleichen Menschen erschaffen, wie das ehrwürdige Raffles in Singapore) einen späten Afternoon Tea mit allen möglichen Leckereien gegönnt. Teuer, aber von erlesener Qualität und in einer Oase der Ruhe serviert.

Unser Hotel ist echt ein Klopper. Einmal haben wir das Zimmer schon gewechselt, weil die Klimaanlage begann den Raum zu fluten. Im neuen Zimmer hört man dafür ständig irgendwo Wasser glucksen. Halte ich das Ohr an die Wand, höre ich ganz deutlich das Wasser fließen. Aber den Vogel schießen die Sanitärräume ab. Die Duschen haben alle ein Fenster zum Schlafraum und der ganze Sanitärbereich ist offen zum Selbigen. Das ist echt einmalig!

Ngapali-Beach

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Erster Sonnenuntergangsversuch

so langsam komme ich mir vor wie ein Leprakranker – ich liege den ganzen Tag auf der faulen Haut. Seit wir an der Küste angekommen sind, ist es schön. Am Ankunftstag gab es noch dicke Quellwolken, am ersten vollen Tag waren es nur noch wenige Wolken und seit dem zweiten vollen Tag ist es so schön, daß der Himmel komplett wolkenlos ist. So haben wir es nun endlich

geschafft einen der legendären Sonnenuntergänge zu beobachten. Myanmar’s Küste begrenzt die Andamanensee im Osten, so schauen wir gen Westen über das Meer in dem gegen 18.00 Uhr Ortszeit die Sonne versinkt. Dabei muss man ganz schön aufpassen. In diesen Breiten ist die Sonne sehr schnell weg, da sie fiel steiler als wir es gewohnt sind auf den Horizont zuläuft. Gestern hatte ich mich mit der Managerin, der britischen Lady (ich schrieb schon mal kurz von ihr), unterhalten und hätte dabei fast den Untergang versäumt.  Ich habe eine kleine Serie geschossen. Zwischen dem ersten Bild beim Berühren des Horizonts bis zum Verschwinden der Sonne liegen genau 100 Sekunden. Ich habe lange nicht mehr so viel Zeit zum Lesen gefunden. Ohne Ablenkung durch das Internet bin ich sehr viel konzentrierter an einem Thema dran. Jetzt spüre ich erst, wie sehr das Internet im Leben Platz gegriffen hat. Ich musste mich schon ein Stück umstellen.

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten. Wir nutzen die angebotenen Ausflüge nicht, weil Sie in umliegende Dörfer führen. Das Leben dort und die handwerklichen Aktivitäten haben wir ausreichend gesehen. Dafür streife ich ab und zu durch den Garten des Hotels und den Strandbereich und versuche allerlei lustiges Getier auf den Mikrochip zu bannen. Rede auch mal mit einem der zahlreichen Hunde, die genauso wenig zu tun haben wie wir oder sitze stundenlang vor Krabbenlöchern. Die Kerlchen sind ganz putzig und in großer Zahl am Strand vertreten. Schon beeindruckend mit welchem Geschick sie ihre Höhlen buddeln und den Sand mit ihren Schaufeln heraustragen. Daneben bringt nur mal das Anlanden größerer Mengen winziger Krabben Leben in die Bude. Die dann stattfindende „Auktion“ ist voll in weiblicher Hand. Der Mann hat ja schließlich gejagt.

Seit zwei Tagen versuche ich nun schon ein paar dazu Bilder hochzuladen. Leider vergeblich. Die Serie vom Sonnenuntergang habe ich schon extrem verkleinert (ca. 180 Kb, wem das was sagt) aber selbst die ist nach über 45 Minuten Dauer erst bei ca. 2/3 angelangt (inzwischen ist sie durch, vom Rest aber kein einziges Bild). In diesem Land lernt man geduldig zu sein! Vielleicht geht es im Laufe des Tages.

 

Inle See

Heute war ein toller Tag! Zumindest was die Erlebensseite angeht, denn das Wetter zeigte sich von der weniger freundlichen Seite. Es hatte praktisch die ganze Nacht durchgeregnet und heute morgen beim Frühstück, das hier draussen serviert wird, war es entsprechend ungemütlich. Wie ausgemacht, holte MinMin uns um 08:30 Uhr am Hotel ab und führte uns zum Pier, an dem ein Kahn auf uns wartete. Der Kahn sah aus, wie eine etwas zu groß geratene Gondel. An der Menge der Kähne war auszumachen, was hier das beherrschende Transportmittel ist.

Typische Inle-Kähne
Typische Inle-Kähne

Bevor wir unseren Kahn erreichten, zeigte MinMin uns noch, was hier in Massen angelandet und per Lkw weitertransportiert wird. Neben anderem Gemüse, sind es vor allem in Massen geerntete Tomaten, die hier per Boot ankommen. Vor uns stand ein Lkw, dessen Ladefläche war mit sicher 1m hohen Bordwänden umschlossen. Die Ladefläche war schon zum größten Teil mit grünen Tomaten gefüllt. Die Tomaten würden nicht exportiert, sondern im Land verbraucht, erklärte MinMin. Sie werden grün geerntet, damit sie noch fest sind und gut transportiert werden können.

Grüne-Tomaten Transporter
Grüne-Tomaten Transporter

Der Liegeplatz lag an einem Kanal, der durch die Stadt führte und den südlich liegenden Inle-See mit dem nördlich der Stadt liegenden Zufluss aus den Bergen verband. Schnell hatten wir abgelegt und mit dem hier üblichen Tempo, nämlich Vollgas verließen wir Nyaung Shwe. Zunächst führte der sich deutlich verbreiternde Kanal durch einen dichten Gürtel schilfartiger Gewächse. Schließlich öffnete sich das Ganze und die gesamte Seefläche wurde sichtbar. Es war ein seltsamer Anblick wie der See links und rechts von zwei Bergketten umrahmt wurde, auf denen wieder eine dicke Wolkenschicht thronte, so dass die Bergspitzen verborgen blieben. Wie ein überdimensionaler Deckel kam mir das vor. Jetzt waren wir froh um unsere Fleecejacken, die wir schon während des Frückstücks getragen und für die Bootsfahrt mitgenommen hatten. Mit der Zeit wurde es bei dem Tempo und ohne Windschutz doch kühl. Am Ende des Sees befand sich ein Dorf, dessen Häuser fast ganz und gar auf Stelzen im See standen. In Ermangelung von nutzbarem Land hielten sie sogar ihre Schweine in kleinen Koben direkt am Haus über dem Wasser. Die Toilette war übrigens genauso angebracht. Hier wohnten Fischer und Bauern. Die Bauern zogen ihr Gemüse auf schwimmenden Beeten. Die werden zunächst mit Bambuspfählen fixiert, dann werden Pflanzenteile und Schlick vom Grund aufgelegt und schon wächst es. Wenn die Lagen dicker werden, schwimmen sie von alleine, die Bauern können sich sogar darauf stellen. Das alles hier erinnerte mich an einen Kevin Costner Film, Waterworld heißt er, meine ich. Der war bestimmt vorher mal hier, bevor er seine Endzeitvision umsetzte. Als erstes besuchten wir einen Markt, der recht groß war und nur alle fünf Tage stattfindet. Dazu kommen Sie über den ganzen See angefahren mit ihren Booten. Entsprechend überfüllt sah es hier aus. Der Gang durch die Marktreihen war faszinierend wie abstoßend zugleich.

Faszinierend vor allem wegen der vielen fremden Ethnien, mit ihren unterschiedlichen Kleidungen, Haartrachten und so weiter. Abstoßend aber auch wegen das unglaublichen Schmutzes, in dem hier alles abgewickelt wird. Das menschliche Wesen nicht versuchen ihre eigene Nahrung etwas würdevoller zu präsentieren, verwunderte mich wieder einmal. Dort wo es Souvenirs wie Schmuck, Handwerk und sonstigen Tand für Touristen zu kaufen gab, lag alles ordentlich auf kleinen Tischen. Wenn es aber um ihre eigenen Nahrungsmittel ging, lagen diese ganz häufig direkt auf dem Boden in einem ekligen, schlickigen Sud. Trotz dieser Eindrücke ließen wir uns von MinMin überreden einen typisch birmanischen Tee zu probieren. Der war recht gut (erinnerte etwas an Ostfriesentee mit Sahne) und wir hofften das ohne weitere Blessuren zu überstehen.

Als nächstes besuchten wir einen Handwerksbetrieb in dem Lotusfasern verarbeitet werden. Die bis zu 2m langen Stängel der Lotusse werden dafür alle 5-6 cm angeritzt und gebrochen. Zieht man die Bruchstellen auseinander, sah man im Inneren viele sehr feine Fasern.

Die schienen sehr elastisch zu sein, denn aus einem solchen Bruchstück entsteht eine ca. 50 cm lange Faser. Die entstehenden Garne werden entweder pur oder mit Seide kombiniert verarbeitet. Wir haben auch gesehen, wie eine Frau Kettgarne für die Webstühle vorbereitete. Das Einrichten eines Webstuhls für das Weben eines bestimmen Musters dauert bis zu zwei vollen Tagen! Weberinnen und Einrichterinnen sind im Übrigen nie die gleichen Personen, das sind spezialisierte Funktionen. Die Koordinationsfähigkeit der Weberinnen lässt beinahe den Vergleich mit Orgelspielern zu. Sie müssen mit einer Hand den Mechanismus für das Schiffchen und mit der anderen Hand den Rahmen, mit dem das verwebte Garn angedrückt wird, bewegen. Gleichzeitig bewegen sie mit beiden Füßen mehrere (teils 5-6) Pedale im richtigen Rhythmus, damit das gewünschte Muster zustande kommt.

Ich könnte mir jetzt die Finger wund schreiben über all das was wir noch gesehen haben. Ich möchte es aber nur kurz anreißen. Bilder dazu findet ihr anschließend, um eine Vorstellung zu bekommen. Wir sind ein wenig zwischen den Häusern durchgefahren und haben gegen Mittag in einem Restaurant lecker gegrillten Fisch gegessen. Danach durfte ich mit einer Ortsansässigen in den hier üblichen sehr flachen Kähnen eine Runde durch die ganz schmalen Wassersträßchen paddeln. Traudl ist im sicheren Restaurant geblieben. Auf dem flachen Gefährt musste man sich im Schneidersitz platzieren, alles andere war zu kippelig. Als wir zurückkehrten, sprach die Frau kurz mit MinMin. Er erklärte mir, dass die Dame mit meiner Paddelei sehr zufrieden war und sie mich anstellen würde. Ich lehnte dankend ab; das war doch zuviel der Ehre. Ich glaube, sie war ein klein bißchen enttäuscht. Wir haben die Pagode besucht, in der die Fünf Buddhas aufbewahrt werden, die jährlich in einer 21-tägigen Prozession um den ganzen See und einen Teil des Flusses hinab und wieder retour gezogen (!) werden. Die Buddhas sind dazu auf einer königlichen Barke platziert, die wiederum von einem davorgespannten Boot mit ca. 100 Stehpaddlern gezogen wird. Wir schauten uns auch die Arbeit auf den schwimmenden Gärten an und die der Fischer, die die Schuppentiere mit den Schlägen langer Bambusrohre in ihre Netze treiben.
Ob ihr es glaubt oder nicht, den ganzen Tag schaute die Sonne nicht durch die dicken Wolken, aber es regnete nicht. Wir waren kaum 10 Minuten in unserem Hotel und es goß wieder. Irgendetwas müssen wir bei Buddha gut haben.

Nyaung Shwe

Kurz vor sechs Uhr sind wir ohne Wecker, die wir auf sechs Uhr gestellt hatten, wach geworden. Heute geht es per Flieger nach Heho und das Taxi soll uns um 7 Uhr dort hinfahren. Noch genug Zeit, um die noch im Gebrauch befindlichen Dinge in den Koffer zu legen, zu frühstücken und die Rechnung zu begleichen. Bei Letzterem gab es den ersten kleinen Aufreger. Die kleinen E-Scooter, die wir am zweiten Tag statt der Fahrräder benutzt hatten, wurden uns mit einem Tagessatz in Rechnung gestellt. Ich habe mich geweigert die Rechnung zu zahlen. Es war allerdings etwas schwierig dem radebrechenden Personal zu erklären, dass ich gestern extra nachfragte, ob der Tausch Mountainbike gegen Scooter ok sei. Schließlich hieß es gestern ja noch, dass die Mountainbikes sogar teurer sind als der Scooter. Mir fiel das zwar schwer zu glauben, aber die Scooter sind tatsächlich billige Chinaproduktionen in einfachster Verarbeitung, vielleicht stimmte der Preis sogar. Jedenfalls erklärte sie mir nun, dass ich die Räder ja bei der Agentur bezahlt hätte und nicht bei Ihnen. Darauf entgegnete ich, dass das schon richtig sei. Aber da die Räder und die E-Scooter ja dem Hotel gehören und das Hotel ja über die Agentur auch das Geld für die Mountainbikes erhalten hat, würden sie ja nun Geld für 2 Tage Mountainbikes und einen Tag E-Scooter bekommen. Und Sie möge doch bitte Verständnis dafür haben, dass ich für diese Art des Rechnens kein Verständnis habe. Die Argumentation machte sie nachdenklich und sie versprach es mit der Agentur zu klären. Ok, dachte ich, immer Gesicht wahren. Dann klär du mal, während wir jetzt frühstücken
Wir gingen also zum Frühstück und waren neben einem anderen Pärchen die bislang einzigen Besucher. Dann wurde es plötzlich lebhaft. Soviel Betrieb hatten wir hier noch nie gesehen. Eine Gruppe Chinesen war gestern Abend angekommen und ruckzuck war jeder Tisch besetzt. Die gestern noch eifrig um uns herumwuselnden Mädel waren auf einmal merkwürdig passiv. Mir hatten sie noch kurz zuvor den Tee aus der Hand genommen, um ihn an den Tisch zu tragen (wehe, es sagt jetzt irgendjemand was übers Alter oder Sonstiges!). Entweder sind sie mit full house überfordert oder sie mögen chinese people nicht so sehr.
Nachdem es schon 7 Uhr durch war, wunderte ich mich langsam, wo das Taxi blieb. Die sind hier sonst superpünktlich. Ich fragte eines der herumstehenden Mädel, ob sie wegen unseres Taxis mal nachfragen könne. Das tat sie auch sofort, gleichermaßen heftig nickend wie lächelnd. Sekunden später war sie schon wieder da und winkte uns nach draußen. Dort stand der dicke Toyota Geländewagen, der die Tage immer 10 m abseits geparkt war. Ob das nun der Taxi-Ersatz, das ursprünglich gedachte Taxi oder was auch immer war, forschte ich nicht mehr nach. Die 20 Minuten Fahrt zum Airport kosteten knappe 5 Euro, das war ok. Wollen ja nicht kleinlich sein.

Der große Aufreger kam jetzt. Das hier ist ein ganz kleiner Airport. Man betritt die Halle und steht direkt vor Holztresen der drei hier operierenden Fluglinien. Wir werden sofort nach Tickets gefragt. Tickets haben wir keine, man hatte uns ja gesagt wir hätten elektronische Tickets. Mich wunderte schon, dass es am Tresen keinen Monitor gab. Ich schaute hinter den Tresen – auch kein PC da.  Ok – also der Dame unsere Pässe geben, wie bei E-Tickets üblich und das Beste gehofft. Ich spizelte wieder über den Tresen und sah, dass sie eine teilweise gedruckte und händisch ergänzte Liste nach unseren Namen absuchte! Sie fand nix, jetzt suchte ich mit ihr zusammen. Nix. Mir wurde schon etwas mulmig. Da schnappte sie sich das Handy ihres Kollegen und versprach die Angelegenheit per Internet zu checken. Nach viel rumgetippe und auch noch telefonieren schließlich die ernüchternde Auskunft – von uns weiß man nichts. Also versuchte ich nun die Agentur zu erreichen. In China hatte das ja sogar spätnachts funktioniert. Die Nummer rausgesucht, gewählt und aus dem Hörer schallte es hämisch:“We are sorry. The number you have dialed is power off“. Ich glaube es ja nicht und nun? Zeit bleibt keine. Nach Auskunft der Dame am Tresen ist der Flug heute der einzige nach Heho. Also blieb nur noch 202 Dollar für uns beide zu berappen und dafür Tickets zu bekommen, natürlich in cash! Mit dickem Filzstift wurden zwei Tickets für uns ausgefüllt und wir bekamen einen der vielen verschiedenen Aufkleber an die Brust gebappt, die auf großen Bögen hier am Tresen liegen. Dann übertrug der Herr noch sorgfältig unsere Namen in die gleiche Liste (meine ich jedenfalls), die die Dame zuvor schon geprüft hatte. Inzwischen hatte ich den Verdacht, dass es hier gar keine echten E-Tickets gibt bzw. hier nicht damit gearbeitet wird. Wie soll das ohne Computer auch gehen. Außerdem hatten wir während der bisherigen Tage gesehen, dass das Internet extrem langsam ist, wenn es denn überhaupt funktioniert. Wie sollen die dann auf die Weise abfertigen. Auf unseren Tickets ist auch keine Platznummer eingetragen. Hier gibt es free sitting wurde uns erklärt. Dann wurden wir zum Warteraum begleitet, der schon ziemlich voll war. Zuvor gabe es aber noch eine Kontrolle (endlich, bisher war nix, hatte schon gewundert) durch einen Immigration-Officer. Der interessiert sich aber nur für die Pässe und das Visum. Uniformmäßig gehörte der bestimmt zum Militär. In der Wartehalle angekommen, erschallte nach kurzer Zeit eine quäckende und weitgehend unverständliche Durchsage. Obwohl es Englisch war, verstand ich das meiste einfach nicht. Die Aussprache ist einfach zu verquer. Aus dem Wartesaal führten mehrere große Türen nach draußen. Dort wurde anhand der Aufkleber rasch selektiert, ob die aufgrund der Ansage anstürmenden Fluggäste überhaupt zum aufgerufenen Flug gehörten. Als es für uns soweit war, bestiegen wir den davor wartenden Bus und fuhren sage und schreibe 30 m zu unserem Flieger. Wahrscheinlich nur, weil die Verbindung zwischen dem Vorfeld und der Halle nicht befestigt war und sich dort eine dicke schlammige Pfütze breit gemacht hatte.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

In der ATR 72 saßen wir dann sehr bequem. Der Vogel war mit guter Beinfreiheit bestuhlt und wirkte noch relativ frisch. Außerdem war er sehr sauber, man wird ja auch mit dem Bus vorgefahren! Nach nur 45 Minuten Flug kamen wir in Heho an. Hier ging es vom Flieger direkt in die Ankunftshalle. Kurze Zeit später war auch das Gepäck da, das von einem händisch vom Flieger zur Halle gezogenem Wagerl herunter genommen und direkt in die Halle gestellt wurde. Dort nahm sich jeder was er brauchte. Ich hatte schon eine sehr kleine Burmesin erspäht und begrüßt, die mit einem Schildchen in der Hand auf uns wartete. Schnell waren wir im Auto und los ging es. Im Auto war neben dem Fahrer wieder ein anderer Guide, der uns morgen wohl begleiten wird. Wir erzählten ihm was uns widerfahren war. Sofort ließ er den Fahrer halten und checkte mit mir alle Papiere, die wir vor der Abreise erhielten und die uns Kay in Mandalay aushändigte. Er fand auch keine Tickets, nur die Hinweise auf die E-Tickets. Er schaffte es dann mit der Agentur in Verbindung zu treten. Ich muß mir morgen die Telefonnummer geben lassen, falls es eine andere ist, die wir haben. Letztlich konnte ich dann mit der Dame im Office selbst reden. Was sich wegen der Aussprache wieder als extrem schwierig herausstellte (Min Min unser Guide bspw. sagte ‚schirren’ wenn er ‚children’ meinte) auf jeden Fall versprach uns die Dame, dass sie es arrangieren würde, dass wir in Yangon unser Geld zurück bekämen. Da bin ich mal gespannt. In Nyaung Shwe angekommen regnete es kräftig. Vor der kleinen Bergkette, die wir überqueren mußten, war es noch leichter Regen gewesen. Hier ist es auch deutlich kühler als in Bagan. Am Airport waren es 22 Grad gewesen. Min Min erklärt uns, dass wir ca. 1300 Meter hoch sind, daher die „Kühle“. Wir finden es momentan ganz angenehm, nur zu regnen sollte es noch aufhören. Das Zimmer ist sehr schön und hell, Traudl ist gleich ganz begeistert. Nicht so eine dunkle Höhle, wie in Bagan. Sie lieben es hier anscheinend mit Natursteinen zu dekorieren. Offenbar sind die Betonständer, die das Haus tragen mit runden Kieseln verkleidet. Draußen sehen wir einige Häuser, die ähnliche Balkonverkleidungen haben. An den Wänden sind runde und dreieckige Elemente mit Quarzsteinen ausgefüllt. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und da wir den Rest des Tages für uns haben, werden wir nun mal den Ort erkunden.

Als besonders idyllisch kann ich den beim besten Willen nicht bezeichnen. Ein größerer Teil der Straßen ist zwar befestigt, das gilt aber nicht für die Seitenstreifen. Bei dem feuchten Wetter ist alles entsprechend matschig und der Dreck, der trocken gerade noch geht, wirkte nun restlos abstoßend. Dazu alle möglichen Gerüche, die die Nase malträtierten. Zumindest unsere europäisch geeichten, den einheimischen Nasen schien das nichts auszumachen. Wir mussten unbedingt etwas trinken und setzten uns nach einigem Gesuche in ein etwas größeres, gut besuchtes Lokal.

Jede Menge seltsam anmutende Gestalten hängen hier rum, trinken (in der Regel keinen Alkohol!), rauchten und schauten mehr oder weniger lustvoll eine Neuverfilmung von Conan der Barbar an, die auf zwei großen screens lautstark läuft. Auffallend ist der Chef oder Capo, der etwa überhöht, direkt neben uns saß. Dort lieferten alle dienstbaren Geister, die herumschwirrten, die Kohle ab und es gb bei ihm Zigaretten und Zigarillos/Zigarren einzeln zu kaufen. Am nördlichen Ende der Stadt wurde es etwas angenehmer. Hier stehen schöne, große Bäume und ein breiter, relativ sauberer Kanal reicht bis an die Stadtgrenze. Wir gingen ein Stück an ihm entlang, als uns ein Mann mit einer Art Armbrust auffiel. Offenbar ein selbstgebautes Gerät zum Fische schiessen. Ja, richtig gelesen, wir haben gesehen, wie er es erfolglos versuchte. Der Pfeil aus Metall war verbunden mit einer Angelschnur, die wiederum auf einer Angelrolle aufgespult war. Heiße Konstruktion, aber sie funktionierte.

Anschließend stromerten wir noch über den Markt. Einige Dinge waren ganz interessant, z. B. Kokosnüsse die ein Schwänzchen aus einem Blatt bekommen oder ein Garnelen-Snack, der offenbar zuvor mit Kräutern gekocht und dann zu Scheiben eingetrocknet wird. Insgesamt war der Markt aber auch nicht viel appetitlicher als der Rest der Straßen und wir trollten uns zurück zum Hotel. Im Zentrum hatten wir auch keine einladenden Restaurants gesehen, weshalb wir bei uns fragten, ob es dort was zu essen gäbe. Leider nein, hieß es, aber gleich die Straße nach links stadtauswärts gäbe es drei saubere Lokale. Da sind wir noch nicht gewesen. Eines davon, Mr. Cook hatte eine offene Küche, man konnte den drei Frau drinnen bei der Arbeit zusehen. Sah nicht nur gut aus, hat auch sehr gut geschmeckt.

Mal sehen, ob der nächste Tag genauso gut wird.

Bagan Tag 2

für heute haben wir uns vorgenommen, die Dämmerung und den Sonnenaufgang auf einer der großen Pagoden zu erleben. Mit dem Radl sind wir um Stockdunklen aber nicht losgezogen, dazu haben wir uns ein Taxi bestellt. Empfohlen hatte uns der Herr Taxifahrer um 5 Uhr da zu sein. Heisst also um 04:30 losfahren – puuuh. Ich wußte, daß um 06:04 Uhr der Sonnenaufgang sein wird, eine halbe Stunde Dämmerungsphase bedeutete ca. 05:30, eine Viertel Stunde Fahrt zur ausgemachten Pagode heisst 05:15 Uhr losfahren, warum dann 04:30 Uhr? Er meinte, es wird einiges los sein und wenn wir eine gute Position haben wollten, dann sollten wir vor der Masse dort sein. Ok, er kennt sich aus und das hier einige Fotografen unterwegs sein werden, kann ich mir sehr gut vorstellen.

So geht es in stockdunkler Nacht an unserem Hotel los. Und wir sind schon hier nicht die Einzigen! Noch vier andere Hotelgäste brechen gleichzeitig mit uns auf. Na, das kann ja lustig werden. An der ausgesuchten Pagode sind wir aber die Ersten. Wir hatten sie tags zuvor schon erklommen und fanden den Blick nach Osten ganz spannenden. Mit der Taschenlampe in einer Hand kletterten wir wieder die extrem steilen und teilweise auch sehr hohen Stufen hinauf. Mich erinnerte das an die Maya-Tempel auf Yucatan, hier gab es aber einen Handlauf, an dem man sich festhalten und nach oben ziehen konnte. Auf der obersten Ebene haben wir uns dann das beste Eck gesichert und mit Hilfe einer Taschenlampe das Stativ auf-  und den Fotoapparat angebaut. Kaum hatten wir uns in dem Eck platziert, trudelten so nach und nach weitere Frühaufsteher ein. Schnell wurde es voll und wir waren froh um den Tipp des birmesischen Taxlers! Zum Sonnenaufgang hat es leider nicht ganz gereicht. Ganz knapp südlich des Erscheinungspunktes der Sonne hatte die dicke Bewölkung aufgerissen. Aber wie sagt man so schön, knapp daneben ist auch vorbei. Einige nette Stimmungsfotos sind aber trotzdem dabei rumgekommen.

Der Taxler hatte unten die ganzen eineinhalb Stunden gewartet. So waren wir noch zur Frühstückszeit wieder am Hotel und konnten die frischen Eindrücke mampfend verarbeiten. Den Vormittag und die heiße Mittagszeit haben wir am Pool verbracht. Am Nachmittag bis zum Abend wollten wir dann nochmal los und die weiter nördlich gelegenen großen Pagoden ansehen. Ich hatte gesehen, dass sie hier auch kleine Elektroroller ausleihen. Auf Nachfrage nach den Preisen hieß es, dass die richtigen Mountainbikes die teuerste Variante sind. Dann ist es ja kein Problem, wenn wir die kleinen Scooter statt der Mountainbikes nehmen. Ja, ja das ist kein Problem, ich soll mich einfach melden, wenn ich sie brauche. So taten wir es später dann auch. Traudl hatte gehörigen Respekt vor den putzigen Dingern und hat erst einmal einige Meter geübt. In gemütlichem Tempo, so mit 10-12 Km/h sind wir schließlich losgesegelt und haben uns noch den großen Ananda-Tempel, die Gawdawpalin-Pagode und Old Bagan selbst näher angesehen. Da Traudl auf gar keinen Fall im Dunklen fahren wollte, sind wir mit vielen Zwischenstopps (das Licht der untergehenden Sonne war zu verlockend 🙂 ) und einer schlußendlich augenrollenden Ehegattin gerade noch vor Sonnenuntergang wieder am Hotel angekommen. Aber ich finde dieser Ausflug hat sich wieder sehr gelohnt oder was meint ihr dazu?

Bagan

Vorgestern sind wir mit dem Bus nach Bagan gefahren. Kay und Paddy holten uns am Hotel ab und brachten uns zur Busstation. Das war auch gut so, denn sie lag versteckt in einer kleinen Nebenstraße, so unscheinbar, daß wir die alleine nie entdeckt hätten. Eingerahmt von einem Laden für Plastikbehälter aller Art und einem Nudelshop. Unter Nudelshop darf man sich nicht das vorstellen, was wir kennen. Zunächst war nur ein größerer Stapel Bananenblätter erkennbar. Kam ein Kunde, so gab es einen ‚Grabsch‘ Nudeln entweder in eine kleine Plastiktüte oder eben jene Bananenblätter. Und Grabsch ist wörtlich zu verstehen. Ein Griff mit bloßer Hand in einen riesigen Topf bereits gekochter Nudeln. Das war das Maß der Dinge.

Abfahrt hätte um 8 Uhr sein sollen, tatsächlich fuhren wir aber schon 20 vor 8 los. Deshalb hatte Kay uns schon um 7 abholen wollen. Wir glaubten erst, nun ginge es raus aus Mandalay. Aber weit gefehlt. Wir kurvten nun fast eineinhalb Stunden durch die Stadt, um andere Fahrgäste abzuholen, teils an den verstecktesten Unterkünften. Unser 20-Sitzer kam manchmal nur mit Mühe durch die kleinen Straßerl. Problematisch wurde es mit dem ED7424F9-71B6-4D65-A090-A85BC8EC086BVerstauen des Gepäcks. Der Bus hatte nämlich keine Gepäckfächer, wie man mir in Deutschland noch mitgeteilt hatte. Mein Koffer war einer der ersten, die vorne neben dem Fahrer zu liegen kam. Die Fahrgäste der ersten Reihe, durften deshalb ihre Füße auf dem Gepäck der Einheimischen platzieren. Mein Koffer lag ganz unten und wurde von drei darauf liegenden Koffern beschützt. Dann endlich verließen wir die Stadt und es ging ein Weilchen über eine autobahnähnliche Straße zügig gen Süden. Bis wir die nach knapp zwei Stunden wieder verließen, um direkt an dieser Ausfahrt an einerBretterbude einen Pipistopp zu machen.

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Pipipause

Als wir die Verschläge, die die Toiletten sein sollten, in Augenschein nahmen, verebbte jeder Harndrang. Traudl drehte sofort wieder um und verschwand wieder Richtung Bus. Ich erkundete äußerst vorsichtig die Rückseite der Verschläge. Dahinter öffnete sich eine weite Graslandschaft, die sich offenbar regelmäßiger Düngung erfreute. Ich trug also meinen Anteil dazu bei und pirschte mich anschließend genauso vorsichtig wieder zum Bus zurück. Dabei kam ich an der Küche dieser Raststation vorbei. Die war wegen ihre dicken Rauchschwaden auch kaum zu übersehen. Wie überall sonst in den ländlichen Gebieten Myanmars wurde auch hier Holz verfeuert. Neben dem chinesischen, von der Regierung geduldeten Raubbaus am Wald und dem inoffiziellen Schmuggel nach Thailand, sicher ein weiterer Grund, dass wir sehr häufig relativ kahle Berge sehen. Dort fallen groß gewachsene Bäume auf, als würden Sie dort nicht hingehören. Erst durch sie wird klar, wie der Wald hier eigentlich aussehen müsste.

Für die folgenden 2 Stunden ging es auf einer schmalen Landstraße in südwestlicher Richtung weiter. Hier konnten wir erstmals die klare Benachteiligung der Frauen live erleben. Die Straße wurde gerade verbreitert. Dazu hatte man wohl schon vor längerer Zeit eine Grobschotterschicht links und rechts neben der bestehenden Fahrbahn aufgetragen.

In der Regenzeit hat sich offenbar Erde und Lehm zwischen den groben Steinen festgefahren. Darauf saßen nun Heerscharen von Frauen in mittäglicher Sonne und klopften mit Hammer und Meißel den Dreck aus den Steinen heraus. Oder sie schleppten Feinschotter von abseits liegenden Haufen zur Straße, um ihn auf der Grobschicht zu verteilen. Einen der wenigen Männer sahen wir auf der Walze sitzen. Er machte das ganze dann platt.

Ganz ähnliches war uns unterwegs auch an den Tankstellen aufgefallen. Alle Tankstellen waren mit Bedienung. Bedient wurde ausschließlich von jungen Mädchen. In der Regel von so vielen, dass mehr Mädchen als Zapfstellen vorhanden waren!BE17E8AB-1A65-49B1-A0D9-C47E61F35917

In Nyaung mussten wir nochmal umsteigen und fuhren in einem kleineren Bus mit 4 anderen Deutschen nach New Bagan. Das war nur noch eine Fahrt von 15 Minuten. Jetzt reichte es aber auch. Die Fahrt durch die savannenähnliche Landschaft bei bestem Wetter war sehr war gewesen. Wir waren froh den Rest des Tages in kühlerem Umfeld verbringen zu können. Abends sind wir am Hotel geblieben und haben draußen zu Abend gegessen. Es ist offensichtlich noch wenig los. Wir waren das zweite Pärchen, das sich hier einfand. Die Bedienungen (sehr viele, sehr junge Mädchen – kam mir bekannt vor) waren eindeutig in der Überzahl. Sie wollten unbedingt, dass wir ganz vorne an einer kleinen Bühne Platz nahmen. Dort könne man das Marionettentheater viel besser sehen. Als wir Marionettentheater hörten, sind wir schnurstracks zum entlegensten Tisch gegangen, der zu finden war. Die Mädel ließen wir völlig verblüfft zurück. Das Marionettenspiel war von der befürchteten Musik begleitet. Ganz im Gegensatz zum Essen, können wir uns mit asiatischen Musikgenüssen so gar nicht anfreunden. Wir sind dann bald ins Bett gegangen. Morgen wollen wir früh raus.

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Der folgende Tag begann aber mit einer riesen Enttäuschung. Nach den Sonnenwetter gestern, hörten wir beim Aufwachen draußen den Regen prasseln. Und wir haben Fahrräder geordert, um die Pagoden und Stupas zu erkunden! Wir sind extra früh aufgestanden, um radeln zu können, wenn es noch nicht so heiß ist. Noch während des Frühstücks, daß hier offenbar wegen des warmen Klimas ganzjährig auf der bereits bekannten Terrasse eingenommen werden kann, regnet es immer wieder schauerartig. Viel interessanter als der Regen sind aber wir und zwar abermals für die Heerscharen von jungen Mädchen, die hier beschäftigt sind. Teilweise umringen sie zu Fünft unseren Tisch? Das Frühstück ist als Buffet aufgebaut und sie wollen uns von Allem, was es dort gibt etwas aufdrängen. Denen ist ganz offensichtlich langweilig. Als wir zurück zum Zimmer gehen, sehen wir, dass der Himmel etwas heller geworden ist. Wir wagen es nun doch und brechen mit dem Radl auf. Mit den dicken Wolken als Sonnenschutz ist es viel angenehmer zu fahren, als wir gedacht hatten. Die schmalen Sandwege, die durch die flache Landschaft führen, lassen sich auch recht gut fahren. So ziehen wir sehr viel länger durch diese grandiose Landschaft voll mit Tausenden von Stupas in allen Größen und Varianten, als wir eigentlich vorhatten. Sie im Einzelnen zu beschreiben, spare ich mir. Zumal es aufgrund der Menge der Bauwerke auch ein klein wenig länger dauern würde als ich zum Schreiben Zeit habe. Da lasse ich besser die Bilder sprechen, sobald ich die mal hochladen kann. Erst nachmittags um halb vier sind wir wieder am Hotel. Erst jetzt merken wir, wie erledigt wir sind. Die später noch aufkommende Sonne, die feuchte Wärme und die ständige Bewegung haben uns ganz schön zugesetzt. Ab unter die Dusche, etwas die Füße hochlegen und die Eindrücke Review passieren lassen und dann zum Abendessen. Was freu ich mich auf die Flasche eiskaltes Tiger Bear!