Ausflug nach Yaxchilan und Bonampak

Diese Nacht war weit weniger ruhig als die zuvor. Ständiges Hundegebell hat uns immer wieder aufgeschreckt und nur unruhig schlafen lassen. Gegen drei Uhr hat es zu allem Überdruß auch noch angefangen zu regnen. Als wir um sechs Uhr losfahren regnet es immer noch. Uns Wirt meinte, man würde so ca. eineinhalb Stunden brauchen, um nach Frontera Corazal zu kommen. Von dort geht es mit dem Boot ca. 45 Minuten den Usumacinta hinunter, um Yaxchilan zu erreichen. Nach der angegebenen Zeit haben wir gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft. Viele Schlaglöcher und vor allem noch mehr Topes lassen uns nur langsam voran kommen. Dafür erscheint vor uns ein immer breiter werdender heller Streifen am Horizont. Tatsächlich haben wir Glück. 20 Kilometer vor dem Usumacinta, dem Grenzfluss zu Guatemala, klart der Himmel auf und die Sonne scheint wieder. Dafür ist die Piste nur noch ein staubiger Schotterweg, der z. Zt. zur Straße ausgebaut wird.

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Nach einmal fragen im Ort haben wir den (natürlich) nicht ausgeschilderten Ablegepunkt der Boote gefunden. Kaum haben wir geparkt, werden wir bereits von einer Art Schlepper angesprochen, der uns mitteilt, daß ein Boot 800 Pesos kostet. Das sieht mir mindestens nach gallopierender Inflation aus. In unserem Reiseführer heisst es, das Boot koste 300 Peso, zwar Stand 2011 aber immerhin. Ein spanisches Pärchen gesellt sich zu uns und die junge Frau fragt mich auf englisch, ob wir auch mit dem Boot nach Yaxchilan wollen. Als wir das bejahen, beschließen wir uns ein Boot zu teilen. Als der Vermittler das hört, steigt der Preis gleich auf 900 Peso. Mir bleibt gleich die Luft weg, als ich das höre. Das Mädel merkt das und fragt mich, ob mir der Typ schon einen Preis genannt habe. Als ich ihr die 800 Peso nenne, sagte sie: „Prima, dann sind es je Paar ja nur noch 450“. Das Pärchen scheint verhandeln nicht gewohnt zu sein. Sie wollen den erstgenannten Preis gleich akzeptieren. Geht ja gar nicht. Der Typ redet jetzt nur noch Spanisch, seit die Beiden bei uns stehen, so muß das Mädel übersetzen. Da er gemerkt hat, daß die anderen Beiden sogar die 900 Pesos akzeptiert hätten, bleibt er hart und geht nicht mehr runter. Erst als ich dem Mädel auf englisch sage, dass ich jetzt nach Bonampak fahre und mich zum Auto umdrehe, bewegt er sich wieder. Bonampak hat er verstanden, und das Mädel braucht nicht zu übersetzen. Der Preis ist wieder bei 800. Da die beiden schon etwas genervt gucken, belasse ich es dabei und zahle zähneknirschend meine 400 Pesos. Die Fahrt im überdachten Boot ist prima und nach etwa 45 Minuten flussabwärts erreichen wir die Anlegestelle.
Schon der Weg zu den Bauten ist einzigartig. Er führt über einen schmalen Pfad durch dichten Wald. In der Nähe hören wir Brüllaffen fast schon furchterregende Töne von sich geben. Dazu kommt der ganze Dschungel-Sing-Sang, der uns umfängt. Die ersten Bauten tauchen auf und durch schmale, dunkle und etwas unheimliche wirkende Gänge, in denen wir auch noch Fledermäuse aufscheuchen, müssen wir uns in das Innere der Anlage hindurchwinden.BildBildBildBild

Der ganze Ort entfaltet seine eigene Mystik – und schwupps haben wir einen neuen Favoriten. Eindeutig ist dies die Nummer eins! Staunend stehen wir vor der steilen Treppe, die zum großen Tempel hinaufführt. Plötzlich erscheint eine Schulklasse mit ihrem Lehrer. Mit der Stille ist es inmitten von ca. 30 fröhlich schnatternder Schüler vorbei. Wir unterhalten uns ganz angeregt mit ihrem Lehrer, der etwas englisch üben möchte. Dabei erfahren wir, daß seine Muttersprache Chaan ist. Er kommt von hier und Spanisch ist nur seine Zweitsprache. Er unterrichtet Informatik und klagt etwas darüber, wie mühsam dieses Geschäft ist, da sie fast keine Computer zum Üben haben. Ich zeige ihm darauf hin auf dem Handy, was wir beim ADAC in Deutschland für tolle Apps konzipieren. Darauf gibt er sein Handy einem Begleiter und will sofort mit uns fotografiert werden. Bevor wir uns verabschieden, gibt er uns noch augenzwinkernd mit auf den Weg, dass gleich ums Eck ein Lift zum Tempel hinaufführt, nur habe man leider noch keinen Stromanschluss gelegt. So schleppen wir uns denn im Schweiße unseres Angesichts den Berg rauf. Ein sehr schön erhaltener Fries ist der Lohn. Hier finden wir auch die Skulptur, von der uns schon der Lehrer erzählte. Torso und Kopf sind getrennt gelagert.

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Einer alten Sage der hier lebenden Ureinwohner nach, würde das Zusammenfügen der beiden Teile zum Weltuntergang führen. Da das auch die Archäologen nicht verantworten wollten (man weiß ja nie so genau) haben sie dem Wunsch entsprochen und den Kopf in eine andere Nische gelegt. Nochmals 15 Minuten weiter über einen schmalen Dschungelpfad den Berg hinauf, stehen die wichtigsten Sakralbauten der damaligen Bewohner.

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Ich bin der einzige Besucher weit und breit. Traudl ist wegen der Affenhitze schon mal zur Acropolis auf der anderen Seite des Hügels aussen rum vorgegangen. Eine ehrwürdige Ruhe umgibt mich, selbst die allgegenwärtigen Dschungelgeräusche scheinen verstummt zu sein. Im Schatten verweile ich ein wenig, bis ich nicht mehr aus jeder Pore schwitze. Auf den freigelegten Flächen ist es in der Sonne unerträglich heiß. Dazu die hohe Luftfeuchte und schon klebt jeder Faden am Körper.
Am Bootsanleger treffe ich Traudl wieder. Tief beeindruckt fahren wir in einer knappen Stunde den Usumacinta wieder hinauf zu unserem Ausgangspunkt.
Einige Kilometer unser Route zurück geht es links ab zu unserem nächsten Ziel. Die Vorfahren der hier ansässigen Lancandonen, verwalten eine einmalige Sehenswürdigkeit. Um dort hinzukommen, müssen wir unser Auto stehen lassen und in ein Lancadonen-Taxi umsteigen. Dies ist eine Art Autonomiegebiet und wir dürfen nicht mit dem eigenen Wagen weiterfahren. Beim Gespräch mit dem Lancandonen-Taxler fällt uns nochmals deutlicher auf, was schon den ganzen Tag sichtbar war. Die Menschen hier können ihre Verwandtschaft mit „den Mayas“ nicht verleugnen. Besonders im Profil erkennen wir die typische Nasenform und die fliehende Kinn- und Stirnpartie. Genauso, wie wir es auf Bildern oder Skulpturen gesehen haben.
Vom Endpunkt der Taxifahrt haben wir nur fünf Minuten Fußweg bis wir auch das Gelände selbst erreicht haben. Einige sehr schön erhaltene Stelen sind hier noch zu sehen. Die waren in den großen Mayastätten wie Chichen Itza und Uxmal gar nicht vertreten.

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Die Hauptsehenswürdigkeit ist aber ganz anderer Art und ein absoluter Höhepunkt. In drei kleinen Kammern des Hauptbauwerkes haben sich Originalmalereien in bestechender Qualität erhalten. Über die Jahrhunderte hatte sich ein Kalksinterüberzug über die Malereien gelegt und die Farben in hervorragender Qualität erhalten. Nur in der ersten Kammer sind die Darstellungen nicht mehr allzu gut erkennbar. Die ersten unfachmännischen Freilegungsversuche haben viel zerstört. Aber in Kammer zwei und drei sind die Darstellungen klar und die Farben strahlend frisch.

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Über eine Stunde verbringen wir hier, bis uns der Lancandone (ich will immer Klingone schreiben, weiß auch nicht warum. Vielleicht liegt das an meiner frühkindlichen TV-Prägung 😉 ) wieder zum Ausgangspunkt zurückfährt.
Zweieinhalb Stunden später, inzwischen war es schon wieder dunkel geworden, stehen wir wieder vor unserer Cabane. Dort müssen wir erfahren, daß unsere Herbergsmutter erkrankt ist und es heute nichts zu essen geben wird. Ihre Vertreterin gibt uns einen Tipp für ein gutes Restaurant. Gleich am Eingang des Nationalparks soll es sein. Es stellt sich heraus, daß es der Nummer eins Tipp auch aus unserem Reiseführer ist. Bei Don Mucho gibt es eine Mischung aus mexikanischer und italienischer Küche. Die Pizzen sehen sehr appetitlich aus. Und so gibt es heute für mich Pizza Hawai!

Palenque

An diesem Morgen erwartete uns zunächst ein fulminantes Frühstück. Wie schon das ausgezeichnete und frischgekochte Abendessen zuvor,

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war auch das Frühstück von bester Qualität. Hervorragender Kaffee aus Chiapasbohnen, selbstgebackenes Brot, das seinen Namen verdiente mit röscher Kruste und noch warm. Selbstgemachte Marmeladen und ein Honig, der so phantastisch schmeckte, wie uns noch nie ein Honig mundete. Dazu Eier wie auch immer man sie haben wollte und natürlich Früchte oder frischgepresster Orangensaft. Nach der Gurkerei am Vortag ließen wir uns richtig Zeit mit dem Frühstück und beratschlagten, wie wir nun mit der etwas sehr urigen Cabane umgehen sollten. Traudl brachte es schließlich auf den Punkt: „Mücken gab es keine, geschlafen hatten wir besser als erwartet und das Essen war für hiesige Verhältnisse Weltklasse – wir bleiben und fahren jetzt zu den Ruinen.“ Na, wenn das Weibi zufrieden ist, bin ich es auch. Obwohl es inzwischen schon viel zu spät war, um noch bei gemäßigten Temperaturen zu starten, fuhren wir zu den Mayabauten. Zunächst wunderten wir uns über die erste Kasse, da hier weit und breit kein Parkplatz in Sicht war. Beim zweiten Blick auf die Tickets erst sahen wir, daß es sich um den Eintritt in den Nationalpark handelte, der die archäologische Zone weiträumig umgibt. Nach kurzer Weiterfahrt erschien schließlich der Parkplatz, der wieder einmal ziemlich leer war. Erst hier war der eigentliche „Maya-Eintritt“ zu entrichten. Diese Mayastadt gefiel uns auf Anhieb am besten. Allein ihre Lage im Urwald umgeben von riesigen Bäumen und eingerahmt von tiefgrünen Berghängen war beeindruckend. Wieder einmal verbeugten wir uns vor der Baukunst dieser Zivilisation.

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Wir haben uns in den Ruinen und danach auch noch im nahegelegenen Museum sehr viel Zeit gelassen. Das Museum hatten wir gar nicht eingeplant. Aber ersten war es klimatisiert und damit perfekt zum Abkühlen geeignet, zweitens war es eine perfekte Ergänzung zu den Bauten. Hier waren nicht nur restaurierte Originale der Bildhauerarbeiten zu sehen, sondern auch einige der in einer Grabkammer gefundenen Beigaben und die Nachbildung der Grabkammer aus dem sakralen Hauptbauwerk selbst.

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Erst nach gut sechs Stunden verlassen wir den Nationalpark wieder und fahren nach Palenque Ort hinein. Wir wollen versuchen ein Cafe mit WiFi zu finden. In dem Hotelviertel Canada, von dem ich zuvor gelesen hatte, finden wir das Gesuchte und nehmen kurz Verbindung mit der Heimat auf.

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Weil wir am nächsten Tag einen längeren Ausflug vorhaben und deswegen bereits um sechs aufbrechen wollen, fahren wir noch zu einem Supermarkt, um uns etwas zum Frühstück einzukaufen. Der Supermarkt hat amerikanische Ausmaße und bietet eine riesige Auswahl. Nachdem wir Obst, Gebäck und auch einen Kaffee-Milch-Mix gefunden haben, geht es wieder zu unserer Hütte zurück. Wir kleben ziemlich und können die Dusche wirklich brauchen. Nach einem abermals guten Abendessen und zwei Flaschen Corona, fallen wir totmüde ins Bett.

Fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn

– ja schön wäre es gewesen!! Heute bin ich ziemlich erledigt und will nur noch was essen und dann ab in’s Bett.
Der Tag hatte ganz harmlos angefangen. Um 09.00 Uhr brechen wir in San Cristobal auf, finden auf Anhieb die richtige Straße in die Berge und dort auch noch eine Tankstelle am Ortsrand. Auf gut ausgebauter Route geht es immer höher hinauf. An einer unvermuteten Wegeteilung, suche ich eine Weilchen nach einem Hinweis, bis ich ein total verrostetes Straßenschild finde, daß weggeknickt im Gras liegt. Da es im Liegen noch so weist, wie ich mir das schon dachte, fahren wir in der Richtung weiter. Inzwischen liegt schon eine Wolkenschicht unter uns, so hoch sind wir. Immer wieder kommen wir durch Dörfchen, deren Straßenleben und die Menschen dort faszinierend sind. Auffallend ist, daß hier fast alle Frauen noch ihre regionale Tracht tragen. Zu zeigen, zu wem man gehört scheint hier noch wichtig zu sein. Bemerkenswert ist auch, die Ordnung hier. So sehen wir in den Dörfchen wenig Müll herumliegen. Auch sieht es in aller Regel sehr aufgeräumt aus. Hier wird anscheinend viel mit Holz geheizt/gekocht und die Güte der Holzstapel würde manchen bayrischen Waldbauern neidisch werden lassen. Ungünstig dagegen entwickelt sich die Straße. Nachdem ich anfangs noch erfreut war über ihre Breite und ihren Zustand, hat sie inzwischen die rasende Schwindsucht befallen. Das nicht nur in der Breite, nein auch in ihrer Flächenhaftigkeit. Sie hat erheblich in der dritten Dimension dazu gewonnen und zwar nach oben (Buckel) wie nach unten (Schlagloch). Wie ich meine, nicht zu ihrem Vorteil. Zumindest nicht zu unserem. Die Vorwärtsbewegung hat manchmal mehr von einem Kamelritt als von einer Autofahrt. An einem Anstieg zum nächsten Berg passiert es dann. Die Straße entledigt sich ihres Teerkleides. Zunächst denken wir noch: „Das gibt sich gleich wieder.“ Aber als die Straße auch nach einem Kilometer nicht besser, nein noch schlechter wird, zweifeln wir doch ein wenig, daß dies noch richtig sein kann. Also wende ich mit bestimmt fünfmal Hin und Her. Auf dem Weg retour geht mir die bisherige Strecke durch den Kopf und mir fällt beim besten Willen nichts ein, wo wir uns verfahren haben könnten. Unsere Papierkarte ist zu kleinmaßstäbig, um das genau nachvollziehen zu können. Also halte ich hier an und schaue mal, ob ich eine GSM-Verbindung bekomme. Und siehe da, vier von fünf Balken, erstaunlich in dieser Einöde. Aber wir sind so hoch, daß wir wahrscheinlich noch die Signalmasten von Mexico City sehen könnten. Also flugs die mobilen Daten aktiviert und mit Maps eine Ortung durchgeführt. Au Weia, wir sind doch tatsächlich auf der richtigen Straße. Normalerweise hätte ich mich darüber gefreut. Der eingezeichneten Breite der Straße nach, sollte sie in spätestens 2 Kilometern (leider wird der Maßstab je Zoomstufe nicht angezeigt!) wieder besser werden. Um es vorweg zu nehmen, sie wurde es nicht. Die Straße beharrte auf ihrem miesen Zustand! An manchen Stellen wurde uns Angst und Bange, entweder war es die Tiefe und Dichte der Schlaglöcher oder die Steilheit dieser Schotter-Lehmpiste. Bloß keine Fahrt verlieren, dachte ich und bretterte manches Mal durch Schlaglöcher vor steilen Anstiegen mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit. Es ging alles gut. Stunden später (im Ernst) gesellte sich zur Straße auch wieder der Teer und wir waren in Ocosingo.

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Eigentlich wollten wir hier einen Blick auf das nahegelegene Tonina werfen. Nachdem hier im Tal aber die Temperaturen wieder nahe des Siedepunktes lagen, brachen wir dieses Unterfangen ab und fuhren weiter gen Palenque. Die Weiterfahrt fand nun regelmäßig auf Teer statt. Sehr schön. Dafür meinte die Straße aber, es sei nicht angebracht auch nur einen einzigen Meter geradeaus zu verlaufen. Sehr blöd. Nach einer Stunde war mein Respekt vor Traudls Beifahrtüchtigkeit ins Unermessliche erwachsen. Bei der Strecke und meiner Fahrweise ohne Tüte auszukommen, nicht schlecht! Kurz vor Aqua Azul machten wir an einer der hier alle paar Kilometer stehenden Imbissbuden halt, um frisches Wasser zu kaufen. Während Traudl zahlte, warf ich einen Blick hinter die Hütte und erspähte ein kleines Idyll. Ein nettes Flüsschen schlängelte sich träge dahin. Das Wasser kristallklar, einige Bänke und Tische am Ufer – und schon saß ich da. BildBild

Zunächst hatten wir keine Küche gesehen, aber es roch eindeutig danach. Wir hatten jetzt richtig Appetit. Mit Händen und Füßen gab ich einer Frau, die mir die Köchin schien, zu verstehen, daß wir gerne etwas essen würden. Nach einer Weile (redete ich wirklich so undeutlich?) bat sie mich hinter diverse Bretterverschläge und ich konnte per Zeigefinger unser Menü zusammenstellen. Eine kurze Weile später bekamen wir Tomaten-und Eisbergsalat, Pollo frito, Reis und Bohnen. Das Pollo war zwar ziemlich sehr fritto aber noch genießbar. Bild

Die Bohnen bekamen anschließend generös die umherlaufenden zukünftigen Pollos Fritos, was diese sehr freute, also daß sie zu essen bekamen, nicht ihre Zukunftsaussichten. So gestärkt und mit deutlich verbesserter Laune versehen, ging es bis zum nahe gelegenen Agua Azul.

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Die Wasserfälle sind ganz nett, hauten uns aber nicht vom Hocker. Vor allem, weil auch hier der Kommerz heftig Einzug gehalten hat. Der komplette Weg den Berg hinauf, ist mit Verkaufsbuden gesäumt. Ungelogen, kein einziger unbelegter Meter. Unser Glück, dass wir so spät dran waren, daß wir erstens bei der Einfahrt nur noch einen reduzierten Tarif (allerdings wegen fehlenden Wechselgelds) zahlten und zweitens 95% der Buden bereits leergeräumt waren. An anderen Stellen waren die Brücken über den Fluss mit Ketten und Vorhängeschloss gesichert, dafür konnte man gegen ein kleines Entgelt per Floß auf die andere Seite gelangen. Nachdem wir alles abgelaufen hatten was erreichbar war und auf ein Bad in Anbetracht der bereits erheblich gesunkenen Sonne verzichtet hatten, ging es weiter nach Paleque. Knapp eineinhalb Stunden später erreichten wir den Ort im Stockfinsteren. Genau wollte ich immer gerne vermeiden. Die Abfahrt von der Hauptstraße zu unserem Hotel fanden wir dank der gespeicherten screenshots noch gut. Dann wurde es wieder kompliziert. Die Zielstraße entpuppte sich wieder als Teerweg. Wir bekamen das nur heraus, weil hier ein Schild auf eine andere Unterkunft hindeutete, die zufällig auch in der Karte verzeichnet war. Der Weg führte eindeutig ins Outback. Als wir die Unterkunft schließlich gefunden hatten, der nächste Schock. Die Cabane, die wir reserviert hatten, war muffig, feucht heiß und sah ein wenig nach Baustelle aus. Wenn ich nicht so müde gewesen wäre, wir wären sofort wieder abgereist. Wir haben gar nicht richtig ausgepackt. Das Dach der Hütte war mit Blattbündeln gedeckt. Von außen ganz urig, innen bedeutete das aber diverse kleine Mitbewohner und ab und an herunterrieselnden Dreck. Wir erblickten auch sofort einen Mückenstecker aber kein Moskitonetz. Wir gingen erstmal was essen, danach würden wir duschen und ausschlafen. Die Herbergsmutter kochte ganz prima und fragte auch gleich, ob wir am nächsten Morgen frühstücken wollen und zählte auf, was es alles gibt. Nach dem zweiten Bier war ich so hundemüde, daß mir alles egal war. Umlullt von Geräuschen der Zikaden, diverser Vögel, Hunde und sonst noch was, schlief ist ein.

Geschafft

Wir sind zurück in der Zivilisation. Oder zumindest dem, was man hier vielleicht dafür hält. Wir sind unsere letzte Etappe gefahren und an der Unterkunft am Meer eingetroffen. Hier ist es ziemlich überlaufen. Damit ist der Eindruck unseres Reiseführers, dass es hier noch erträglich zugehen soll, schon überholt.

Aber dazu später mehr, nun wird erst einmal die Berichterstattung über die noch fehlenden Etappen nachgeholt. Hier war großartiges dabei.

Zwischenruf

Hola, keine Sorge wir sind nicht verschollen! Wir stecken unterkunftstechnisch nur mehr im Dschungel als in der Zivilisation. Dort gibt es kein Inet. Gestern konnte ich nur ein kurze mail und eine SMS loswerden. Für mail hat der Hotelbetreiber sein iPhone mit meinem geshared.
Wir waren gerade 5 Stunden in den Mayastätten Palenques. Gigantisches Erlebnis in dieser Mischung aus Park innen und Dschungel außen. Nun haben wir uns in Palenque Ort ein Caffe mit WiFi gesucht, um mal kurz mit der Heimat Verbindung aufzunehmen. Morgen sind wir an der guatemaltekischen Grenze, da wird es auch nix mit Bildern. Übermorgen geht es weiter nach Calakmul. Da wohnen wir auch mitten im Dschungel. Da wir schon gebeten wurden Bares mitzubringen, wird’s wohl dort auch nix werden mit Bilder-Upload. Überübermorgen an der Laguna Bakalar sollte es dann wieder klappen.
Hasta luego
Claas & Traudl

San Cristobal de las Casas

Der Ort hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck bei uns. Monika hat ihn vor so vielen Jahren sicher noch in einem Zustand erlebt, der weitaus ursprünglicher gewesen ist. Heute ist hier ein touristischer Rummel, wie er an vielen beliebten Orten heutzutage üblich ist. Andererseits hat dieser Rummel sicherlich sehr geholfen hier im Zentrum eine alte Bausubstanz zu erhalten, die sonst zum größten Teil dem Verfall hätte überlassen werden müssen. Wenn man nur 500 m aus dem alten Zentrum herausläuft, lassen der Zustand der Häuser und die Sauberkeit mit jedem weiteren Schritt nach. In den Randbezirken und insbesondere die Berghänge hinauf sind schließlich die Barrios Marginales (Armenviertel, Slums) zu finden. Insbesondere die verschiedenen indigenen Minderheiten hausen hier. Diese verschiedenen Ethnien begegnen uns permanent. Vermutlich auch, weil heute Sonntag und die Stadt besonders voller Menschen ist. Gut miteinander ausgekommen sind die Mexikaner mit diesen Minderheiten nicht. Erst Mitte der 90er Jahre entstand hier in San Cristobal die Freiheitsbewegung der Zapatisten. Vielleicht ist daraus auch ein besonderes Image der Stadt entstanden, das einige Alternative angelockt hat, denen wir ebenfalls immer wieder begegneten.

Wie auch immer, wir haben heute einige Kilometer zu Fuß hinter uns gebracht und waren bis jetzt über 7 Stunden unterwegs. Die Eindrücke waren so reichlich, daß wir nicht nur dicke Füße haben, sondern auch reichlich voll im Kopf sind. Bereits um 9 Uhr waren wir unterwegs. Während des Frühstücks kam die Sonne raus, nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte. Gestern Abend gegen 9 Uhr als wir gerade beim Essen waren, ging es los und wir mussten im leichten Regen retour zum Hotel. Als wir aufstanden nieselte es immer noch.

Bereits am Morgen war reichlich was los. Hier fand ein Halbmarathon statt, dessen Ziel an der zentralen Plaza de la Paz war. Bereits in Villahermosa war uns aufgefallen, daß die Menschen in dieser Ecke mehr auf ihr Äußeres achten als weiter im Norden. Dort hatten wir Eindrücke, wie im vergangenen Jahr in China. Selten haben wir mehr dicke Menschen gesehen, wie hier. Selbst kleine Kinder haben schon erschreckende Umfänge. Da war uns klar, warum die mexikanische Regierung plant, bestimmte Nahrungsmittel, die sie dafür verantwortlich macht, mit deutlichen Steuern zu belegen. Wie gesagt, in Villahermosa begegneten uns auf unserem Morgenspaziergang viele Jogger und hier nun ein Halbmarathon. Das passt durchaus zu dem ganz offensichtlich geringerem Durchschnittsgewicht.

Ich sehe gerade, dass ich schon 376 Worte im Text habe und ich finde, das ist nun wirklich genug. Zumal ich langsam Hunger bekomme und noch duschen sollte. Beim Stichwort Hunger fällt mir aber noch was ein. Zwei der hier kommentierenden Damen bemängelten ja die unzureichende Anzahl Fotos vom Essen. Das hat seinen Grund. Anders als in Asien, hat uns das Essen hier bislang nicht überzeugt. Am besten fand ich bisher noch das Gegrillte. Allgemein habe ich den Eindruck, dass die Mexikaner gerne Gegrilltes essen, wie die allgegenwärtigen Pollo Asados zeigen. Aber selbst das ist kulinarischer Durchschnitt. Wenn ich da an die Grilladen in Kambodscha denke … Trotzdem habe ich noch ein paar entsprechende Fotos eingefügt.

Aber nun schaut euch unsere heutige Fotoausbeute an. In den besuchten Kirchen mussten wir einige der karnevalesken Darstellungen festhalten. Sie haben uns sehr amüsiert. Da wir ausschließlich in der Stadt unterwegs waren, habe ich mich neben den Impressionen an der Street Photography geübt. Insbesondere, weil die Vertreter der indigenen Gruppen es nicht so sehr mögen, wenn sie fotografiert werden. Nicht ganz einfach sowas, aber ich denke, es ist eine attraktive Mischung zusammen gekommen. So, und nun ist wirklich Schluss! Fast 600 Worte, mannomann!

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Besuch des Abflussgrabens

Oder etwas wohlklingender des Canyon del Sumidero. Klingt auf Spanisch sehr viel besser, solange man nicht weiß was es heißt. Aber davon abgesehen ist es in jedem Fall eine hochgradige Sehenswürdigkeit. Um dort hin zu kommen hat es aber eine Weile gedauert. Zwar waren es nur etwas über 300 Kilometer, aber die können sich hier ganz schön ziehen. Zunächst haben wir in Villahermosa noch einen kurzen Spaziergang zum Park de la Venta gemacht und haben uns wenigstens einen der ollen Olmekenköpfe angesehen.

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Da wir schon ahnten, daß die Fahrt in die Berge Zeit brauchen wird, haben wir uns den Besuch des Parks geschenkt und sind gegen halb zehn aufgebrochen. In unserem Reiseführer hatten wir einen Hinweise auf eine Straße mit Aussichtspunkten gefunden, die ich in Maps auch nachvollziehen konnte. Da wir dazu nach Tuxtla Guiterrez mussten, haben wir nicht die schnellste Route nach San Cristobal genommen, sondern sind erst nach Westen, Richtung Cardenas aus Villahermosa rausgefahren. Das Stück ließ sich zügig fahren und in Cardenas ging es dann nach Süden weiter. Auch hier kamen wir noch recht rasch voran. In Huimanguillo war aber Schluß mit lustig. Das Straße hatte nur noch die Breite einer kleinen Landstraße bei uns. Dazu kamen teils abenteuerliche ortsdurchfahrten. Einmal war im kompletten Ortskern die Straße fast komplett verschwunden. Es sah aus als sei der Fahrweg von Mörsergranaten umgepflügt worden. Da war nur noch Schritttempo drin. Gottsei Dank ging es am Ortsende auf normaler Fahrbahn weiter. Die Straße war hier gesäumt von Bananenbäumen. Wir haben uns einige Bananen als Reiseproviant an der Straße gekauft. Interessanterweise sind die Früchte, obwohl schon sehr braunfleckig vollkommen fest und schmecken einfach phantastisch. Sie haben hier auch eine ganz andere Form, als die Früchte, wie wir sie kennen. Sie sehen als, als hätte sie jemand durch die Mangel gedreht, wodurch Sie ihren twas ovalen Querschnitt bekommen haben. Nun beginnt eine Hügellandschaft und die Straße führt ständig steil bergauf und bergab. Das Land hier wird viel stärker landwirtschaftlich genutzt, als wir es bisher sahen. Durch die noch zahlreich erhaltenen Bäume bekommt das Ganze den Charakter einer urigen Parklandschaft. Uns gefällt das ganz großartig.

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Als wir Tuxtla erreichten, fand ich den Abzweiger zur Panoramastraße des Canyons sofort. Ich wusste ja, wo ich ihn suchen musste. Nun schraubte sich die Straße steil den Berg hinauf bis zu einem Tickethäuschen. Hier entrichteten wir ein kleines Eintrittsgeld und bekamen von drei jungen Mädchen eine gründliche Einweisung auf Englisch (!) wo wir welchen Aussichtspunkt finden würden, wo es einen Kiosk gibt, wo die Toiletten sind und wo man auch etwas weiter laufen muss bis man zum View Point kommt. Auf diesemWeise perfekt instruiert, bedanken wir uns artig und fahren weiter den Berg hinauf. Der Einblick in den Canyon ist von hier oben wirklich atemberaubend. Da hatte der Reiseführer nicht zu viel versprochen. Darin stand sogar geschrieben, daß der Anblick von hier oben den Eindruck vom Boot aus eindeutig toppt. Ein besonderes Naturereignis wurde uns auch noch zuteil. Es zog ein Gewitter auf und entlud sich just als wir beim letzten Aussichtspunkt ankamen. Uns hat es nur wenig erwischt, da wir nur gestreift wurden. Aber wir konnten sehr schön beobachten, wie sich die Wassermassen eine Kilometer von uns entluden, so daß dort nur nich eine weiße Wand zu sehen war. Als die Sonne wieder durchkam, bildete sich im Canyon auch noch ein Regenbogen. Herz was willst du mehr! Er ist sogar auf dem Bild mit dem Canyonbogen in der rechten Hälfte zu erkennen.

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Zu unserem Tagesziel sind es es noch immer 75 Kilometer und es ist schon Viertel nach vier geworden. Mit einer Ankunft bei Tageslicht wird das auf der normalen Straße nichts mehr. Also nahmen wir die Mautstraße und gingen auf ihr die letzte Etappe an. Nun ging es wirklich aufwärts. Selbst auf dieser begradigten Straße ging es für knapp 40 Kilometer nur steil bergauf. Wir waren froh die schnellere Alternative genommen zu haben, als wir in San Cristobal ankamen. Das Gewirr der kleinen Gässchen der Altstadt ist so schon schwer zu durchschauen. Relativ schnell finden wir dennoch unser Hotel mitten darin. Ein sehr stimmungsvolles Haus. Aber dazu mehr und auch Fotos nach der ersten Erkundungstour.

Villahermosa

Heute Morgen sind wir noch einmal durch die Altstadt von Campeche gezogen. Im Gegensatz zu gestern war der Himmel wolkenloses und der starke Wind war verschwunden. Im guten Licht wollte ich noch ein paar Fotos von den bunten Hausfassaden schießen. Traudl hat sich auch  daran versucht und einiges mit dem Tele eingefangen. Gegen Mittag sind wir dann aber aufgebrochen, weil heute ein größeres Stück zu fahren war. Ca. 450 Km lagen vor uns und davon waren nur die ersten 60 Km Autobahn. Nach den bisherigen Erfahrungen in den unübersichtlichen Städten hatte ich mich sorgfältig vorbereitet und von allen kritischen Punkten auf der Strecke, insbesondere in den Städten Screenshots der Kartenbilder gemacht. So dass wir sie an Ort und Stelle auch ohne GSM-Verbindung benutzen konnten. Anfangs funktionierte das noch ganz gut. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, daß man die große Ausfallstraße, die wir nehmen mussten, komplett aufgerissen hatten. Sackgasse – und vor uns fuhren sie in drei unterschiedlichen Richtungen weiter. Also entschied ich mich nach Gefühl für eine Richtung und steckte nach kurzer Zeit im Verkehrsgewühl in einer klitzekleinen Straße fest. Irgendwann löste sich das Gemuse wundersamer Weise wieder auf und es staute sich vor einer größeren Straße an der alle geradeaus oder links weiter wollten. Mein Gefühl sagte mir, wir müssen aber rechts rum. Also batzte ich mich ganz nach rechts durch, wo, oh Wunder, eine völlig freie Rechtsabbiegespur war. Sehr verdächtig, ging mir noch durch den Kopf, das kann ja gar nicht sein, da lauert sicher die nächste Riesenbaustelle. Aber nein, das war die richtige Straße, und sie war lochfrei! Traudl traute der Sache noch nicht. „Bist du dir sicher?“, fragte sie zweifelnd, „Hier fährt doch kaum jemand!“ Aber nach ein paar Minuten ging die Straße nahtlos in die gesuchte Autobahn über und wir waren auf dem Weg nach Villahermosa. Die ersten zwei Stunden ging es flott voran. Wie die Tage zuvor schon kaum Verkehr. Die Fahrt war relativ dröge, ich hatte mir das schöner vorgestellt. Zwar fuhren wir die meiste Zeit direkt am Meer entlang, aber es gab kaum etwas freundliches woran das Auge hängenbleibt.
Selbst die Farbe des Meeres war erst ca. 100 – 200 m von der Küste entfernt freundlich, ein helles Grün. Davor war es grau-braun aufgewühlt. Nicht mal ein nettes Plätzchen für eine Pause fand sich. Dafür aber jede Menge aufgelassene Ausflugslokale o. ä., die langsam vor sich hin verfielen. An einem dieser Örtchen haben wir trotzdem angehalten und einen unterwegs gekauften Coffee to go und ein paar Schokokekse gegessen. Dabei haben wir entdeckt, dass der gesamte Strand aus Muschelschalen, Schneckenhäusern bzw. Ihren zertrümmerten und zermahlenen Resten besteht. Das Meer muss hier unglaublich voll von diesem Getier sein. Hinter Ciudad del Carmen beginnt sich die Fahrt dann spürbar zu ziehen. Die Straße wird deutlich schmaler und auf dem schmalen Landstreifen zwischen Lagune und Meer siedeln plötzlich jede Menge Menschen, was zuvor nicht der Fall war. Und hier kommt nun eine mexikanische Besonderheit zum Tragen. Die Topes! Das sind quer über die Straße gebaute Schwellen, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge herabzusetzen. Bislang hatte ich mich an die gut gewöhnt, kamen sie doch nur in den Orten bzw. Ortseingängen mit ordentlichem Abstand zur Anwendung. Hier hatte sich sich aber irgendein genialer Geist gedacht, „Och, so alle 20 m ist auch ganz nett.“ Da hier nun auch bedeutend mehr LKW-Verkehr war und die immer besonders langsam darüber rollten, sank unsere Durchschnittsgeschwindigkeit dramatisch. Am Verkehr merkten wir auch, daß wir in die Erdölregion Mexicos gelangten. Tanklastzüge en masse waren geboten. Auch die Fahrweise, die mich zuvor angenehm überrascht hatte, wurde deutlich aggressiver. Die Ankunft in Villahermosa vor Sonnenuntergang konnten wir wohl vergessen. 50 Km vor unserem Ziel wurde die Straße wieder besser und ich konnte zügiger fahren. Wir kamen noch bei Tageslicht in der Stadt an und fanden bis auf einen kleinen und leicht korrigierbaren Verfahrer unser Hotel. Dies präsentierte sich sehr schön an einem See mitten in der Stadt. An diesem See liegt auch der Parque de la Venta. Hier wollen wir uns die Hauptattraktion, die ollen Olmekenköpfe ansehen. Vom Hotel aus, sollte das ein netter Spaziergang sein.

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Uxmal…

ist schon ein ganz besonderer Ort. Erstens weil die Hauptgebäude sehr sorgfältig restauriert worden sind und zweitens weil diese herrliche Stadt aus unerfindlichen Gründen plötzlich verlassen wurde. Wann genau sie gegründet wurde ist unbekannt, genauso der Zeitpunkt zu dem sie aufgegeben wurde. Einzig die Blütezeit ist mit dem 9. Jhdt. nach Christus bekannt. Gleich nach dem Eingang in das Gelände stolpert man fast über die Pyramide des Zaubers. Ok, stolpern mag angesichts der Mächtigkeit des Bauwerks übertrieben sein. Sie steht halt ziemlich im Weg mit ihren 35 m Höhe. Seit sie 1988 durch einen schweren Hurrikan beschädigt wurde, darf man sie nicht mehr besteigen. Sehr eindrucksvoll ist auch das Ensemble von Gouverneurspalast und großer Pyramide ein kleines Stückchen weiter im Gelände. Der Palast ist wahrlich ein monumentaler Bau. Umso eindrücklicher wird dies, vergegenwärtig man sich, dass zunächst eine künstliche Plattform geschaffen wurde, die in dem welligen Gelände zwischen 7 und 14 Metern vom Boden maß. Die Abmessungen von 164×185 m kann man wegen des Bewuchses auf zwei Seiten kaum erahnen. Darauf erst steht der Palast mit mehreren Nebengebäuden. Der Palast selbst ist immer noch ca. 100 m lang. Was hier mit reiner Menschenkraft an Material bewegt wurde ist unglaublich. Mal ganz abgesehen von der perfekten Verarbeitung des Steins. Immer wieder stoppen wir, staunen, lesen in unserm Büchlein, setzen uns hin und lassen das Ganze einfach auf uns wirken. Es ist heut sehr gut auszuhalten, weil es bedeckt ist und teilweise sogar richtig schwarz wird. Einmal fallen sogar ein paar Tropfen, albernes reicht nicht zum nass werden. Nach drei Stunden sind wir in der dampfigen Luft trotzdem völlig verschwitzt. Gut, dass wir das Zimmer noch haben, so gibt es vor der Weiterfahrt noch eine erfrischende Dusche.imageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimage

Die Fahrt nach Campeche führt über eine etwas längere aber sehr verkehrsarme Route im Landesinneren. Kurz vor Hopelchen (kein Schreibfehler!) verändert sich die Landschaft. Immer mehr wandelt sich die Natur in eine Agrarlandschaft. Von Maisanbau, über Obst-und Gemüseplantagen, bis hin zu Rinderzucht ist alles vertreten. In Campeche angekommen, finden wir recht bald unser Hotel. Oder zumindest das was wir dafür hielten und wo,es Google verortet hat. Tatsächlich wundern wir uns beim Betreten schon über den mondänen Stil. Dann stellt sich auch raus, das wir im Schwesterhaus 50 m weiter in der Altstadt gebucht haben. Das Auto können wir stehen lassen, die Häuser gehören zusammen. Nach einer kurzen Ruhepause brechen wir in die Altstadt von Campeche auf. Die gehört inzwischen zumWeltkulturerbe. Das Stadtbild ist wirklich super schön und wir können uns an den herrlichen Fassaden gar nicht saatsehen. Hier kann ich meiner Leidenschaft des Türen und Tore fotografierens frönen. Einen ganz besonderen Kick bekommt das ganze Ensemble nach Einbruch der Dunkelheit. Aber was soll ich da lange schreiben, seht euch einfach die Bilder an. Sie sprechen für sich.

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Ach ja, und damit Brigitte zufrieden ist, noch zwei Fotos mit Traudl beim Essen. Alles total lecker diesmal (Die mexikanische Küche ist nicht so ganz unser Ding) und preisgünstig. Pfiffig war der kleine Laden, in dem wir den Salat aßen. Auf einer mit Plastik bezogen Karte mit einer Übersicht was es an Gemüse, Fleisch und Dressings gab, kreuzte man seine Wahl an, gab auch die gewünschte Größe an und kurze Zeit später stand die Schüssel auf dem Tisch. Das was auf dem Foto zu sehen ist, war übrigens die kleinste Größe und kostete 2,75 Euro!

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Kabah, Labna und die Grutas de Loltun

Heute war ein toller Tag. Zunächst dachte ich, das Programm wäre etwas zu kurz, aber der Tag war doch recht ausgefüllt. Wir hatten uns eine kleine Rundtour entlang der Ruta Puuc vorgenommen. Entgegen der üblichen Programme fuhren wir die Runde umgekehrt, weil wir uns die Grotten für die heißere Tageszeit aufsparen wollten. Also erstmal an Uxmal vorbei nach Kabah, eine kleine aber feine Ausgrabungsstätte. Als wir dort ankamen, glaubten wir es sei geschlossen. Immerhin war es fast 9Uhr und kein einziges Auto verstellte den Parkplatz. Die Pforte zum Gelände stand aber offen. Also rein und rufen am Kassenhütterl. Mit ein paar schweren Schnaufern erschien der Kassierer. Auf unsere Bitte nach zwei Eintrittskarten reagierte er mit bedeutungsvollem und äußerst sorgfältigem Tippen zweier (!) Zahlen in den Taschenrechner und hielt sie uns unter die Nase. Den Eintrittspreis, der dort stand hatten wir längst erraten. Der war nämlich einem eingeschweißten A4-Blatt zu entnehmen, das die Vielfachen des Einzelpreises bis hin zum 30fachen auswies. Für Busladungen größer dreißig musste der Taschenrechner ran. Sicher war das nur die morgendliche Funktionsprüfung gewesen. Für die Errechnung des Rückgeldes, trat der Rechner wieder in Funktion und wieder stimmte das Ergebnis! Nachdem wir an dieser großartigen Demonstration menschlicher Intelligenz teilhaben durften, nahmen wir die Ausgrabungsstätte in Augenschein.

Die Gebäude stammen aus dem 6. bis 9. Jhdt. Die Stadtbahn schon verlassen als die Spanier hier einfielen, was sehr praktisch war, sparte man sich doch die sonst notwendigen Vertreibungen. Der Ort war der zweitwichtigste nach Uxmal und war mit diesem durch einen  zwar 18 Km langen aber nur 5 m breiten Weg verbunden. Mit den Autobahnen hatten sie es damals noch nicht so. Der Weg begann an einer Art Triumphbogen, das müssen sie sich bei den Römern abgeschaut haben. Da muss also doch vor Kolumbus schon jemand über den Atlantik geschippert sein. Am besten gefallen hat mir der Palast der Masken, der zwei ganz unterschiedliche Seiten aufweist. Die Vorderseite besteht aus einer Aneinanderreihung abstrahierter Masken. Während an der Rückseite ein großflächiges Rautenmuster zu finden ist ein zwei sehr gut erhaltene Königsfiguren. Das alles natürlich vereinnahmt von Leguanen, teils beachtlicher Größe, die den Platz auch nur sehr ungern für die lästigen Zweibeiner freigeben.

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Auf der Fahrt nach Labna begegnet uns während ca. 20 Kilometern kein einziges Auto. Als die Straße durch die hereindrängende Vegetation auch noch immer enger wird, machen sich wilde Phantasien von autoverschlingenden Fabelwesen bei mir breit. Als neben der Straße auch noch Jaguar-Warnschilder ( also die echten mit vier Pfoten!) stehen, schließen wir die Seitenscheiben. Sind die Jaguare schon in Labna eingefallen? Kein Mensch hier, auch nach Rufen antwortet diesmal kein schweres Schnaufen. Wir wollen schon auf eigene Faust weitergehen, da erscheint zwischen den Bäumen ein Mensch mit Schubkarre. Die Karre gefüllt mit herrlich duftenden Orangen. Nur mit Mühe halte ich Traudl von der Karre fern. Obst in Sicht und sie ist nicht mehr zu halten. Nachdem wir auch hier die Tickets intakt erhalten und gleich wieder zerstört bekommen haben (eigentlich total bescheuert), sehen wir uns auch hier um. Labna bedeutet „Altes Haus“ und stammt aus der Zeit der Wiederentdeckung des Ortes. Der ursprüngliche Name ist unbekannt. Neben dem großen Palastgebäude sind vor allem der Torbogen und der Mirador sehenswert. Der Torbogen ist noch sehr gut erhalten und veranschaulicht mit seinem Kraggewölbe sehr gut den architektonischen Entwicklungsstand der Mayastätten. Der Mirador muss sehr eindrucksvoll gewesen sein, als die kleine Pyramide (13 m) auf der er steht noch intakt war. Sieht so aus, als seien sie bautechnisch mit den Gewölben besser zurecht gekommen. Oder man hatte den falschen Handwerksbetrieb beauftragt. Man weiß es nicht.

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Auf der Fahrt zur Höhle, verändert sich plötzlich die Landschaft. Seit Tagen fahren wir schon durch wildes Buschland und nun tauchen darin auf einmal Obstplantagen auf. Zitrusfrüchte und Bananen sind es in der Hauptsache. Nur nicht anhalten, sonst bekomme ich Traudl nicht mehr aus den Bäumen! Im Gegensatz zu Balamkanche lohnt sich hier der Abstieg in die Unterwelt auf jeden Fall. Das Höhlensystem mit seinen mächtigen Stalagtiten (die Männer wissen ja, wie der Merkspruch geht, der erklärt von wo nach wo das Ding wächst) und den riesigen Räumen, ist wirklich beeindruckend. Besonders auch das Ende der Tour in einem riesigen Raum, der von oben durch zwei große Löcher Tageslicht erhält. Klasse!

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In dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen Oxkutzcab besuchen wir den gerade im Abbau befindlichen Markt und Traudl kommt endlich zu ihrem Obst. Hier folge ich erstmals der Empfehlung diverser Händlerinnen und esse Mandarinen und Mangos mit einer Salz/Chilli-Mischung. Nicht schlecht, nicht nur wegen des neuen Geschmackserlebnisses auch wegen des Salznachschubs bei der ständigen Schwitzerei.

Am späten Nachmittag sind wir dann wieder im Hotel, duschen, ziehen uns um und fahren gleich nach Uxmal. Dort essen wir direkt am Parkeingang gar nicht schlecht und ziehen uns dann noch son et lumiere in Uxmal rein. Ein super Abschluss des Tages in diesen beeindruckenden Stätten.

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